Von Henrik Müller
mm.de: Herr Professor Rogoff, wir erleben derzeit eine derart kritische Situation, wie es sie seit den 70er Jahren nicht mehr gegeben hat. Hunderte Millionen Menschen hungern. Die Rohstoffpreise, zumal der Ölpreis, explodieren, die Inflation zieht weltweit an. Sind jetzt wieder mal die "Grenzen des Wachstums" erreicht?
Rogoff: Die Weltwirtschaft ist auf einem Wachstumspfad, der nicht nachhaltig ist. Also braucht es eine Anpassung. Und die beste Methode, die Anpassung hinzubekommen, sind steigende Preise.
90 Prozent der Entwicklungen, die wir derzeit an den Rohstoffmärkten sehen, rühren daher, dass der globale Aufschwung schon länger läuft und ausgeprägter ist, als irgendjemand erwartet hätte. Im sechsten Jahr des Aufschwungs ist es ganz normal, dass die Rohstoffpreise anziehen - das passiert nun mal, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt. Dies ist insofern ein normales konjunkturelles Phänomen.
Nahrungsmittelknappheit, Energiekrise, Währungschaos. Wer stoppt die Zocker? Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 06/2008, ab Seite 104.
Rogoff: Verstehen Sie mich nicht falsch: Dies ist eine riesige Krise. Viele ärmere Länder kämpfen darum, ihre Bevölkerungen weiterhin ernähren zu können. Aber angesichts des hohen Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre, angesichts des nach wie vor hohen Zuwachses der Weltbevölkerung kann uns die derzeitige Zuspitzung nicht überraschen.
Das große Problem resultiert im Grunde aus einer guten Nachricht: Die untere Mittelschicht in Indien und China ernährt sich hochwertiger und treibt so die Nahrungsmittelpreise hoch. Und das verursacht anderswo auf dem Globus Probleme.
© manager magazin Online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH