Von Henrik Müller
mm.de: Herr Professor Tangermann, die Welt erlebt die größte Rohstoffkrise seit Jahrzehnten. Wer hat Schuld? Wer stoppt die Spekulanten?
Tangermann: Es ist ja im Moment viel von den angeblich so bösen Spekulanten die Rede. Und natürlich hat die Spekulation einen Anteil daran, wenn es heftige Preisausschläge nach oben oder unten gibt. Aber es ist auch klar: Solche Über- und Untertreibungen kommen immer nur zustande auf Basis fundamentaler Einflüsse: durch eine Angebotsverknappung oder durch einen plötzlichen Nachfrageschub …
mm.de: … beides beobachten wir momentan.
Tangermann: Ja, die Lage hat sich in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut. Nun sehen wir eine echte Finanzmarktrally, in die sich immer mehr Anleger einreihen. Die Spekulanten sind aber nie diejenigen, die eine solche Entwicklung auslösen. Die springen auf einen Zug auf, der schon fährt, und dann kann es sein, dass das den Zug noch weiter beschleunigt.
mm.de: Aber der Einfluss der Spekulation scheint größer zu werden. Die Umsätze mit Rohstoffkontrakten an den Warenterminbörsen haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Sind die Übertreibungen größer als früher?
Tangermann: Das ist eindeutig so. Der Anteil des dort investierten Kapitals, das nicht aus dem Bereich der kommerziellen Transaktionen mit der entsprechenden Ware stammt, hat deutlich zugenommen.
mm.de: Was schließen Sie daraus? Sollte man die Märkte dichtmachen, wie das jetzt die indische Regierung tut?
Nahrungsmittelknappheit, Energiekrise, Währungschaos. Wer stoppt die Zocker? Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 06/2008, ab Seite 104.
mm.de: Das heißt: Spekulation bringt Liquidität in die Märkte und erhöht damit ihre Effizienz?
Tangermann: Richtig.
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