02.06.2008
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Rohstoffkrise

"Wir sehen überall Panik"

Von Henrik Müller

Die OECD erwartet auch für die kommenden Jahre hohe Nahrungsmittelpreise. Das geht aus dem jüngst vorgestellten Agrarausblick 2008 hervor. OECD-Agrardirektor Stefan Tangermann sprach mit manager-magazin.de über kopflose Krisenintervention, egoistische Landwirtschaftspolitiker - und das bevorstehende Platzen der Rohstoffblase.

mm.de: Herr Professor Tangermann, die Welt erlebt die größte Rohstoffkrise seit Jahrzehnten. Wer hat Schuld? Wer stoppt die Spekulanten?

OECD-Direktor Tangermann: "Ab und zu geht auch mal was schief"
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OECD

OECD-Direktor Tangermann: "Ab und zu geht auch mal was schief"

Tangermann: Es ist ja im Moment viel von den angeblich so bösen Spekulanten die Rede. Und natürlich hat die Spekulation einen Anteil daran, wenn es heftige Preisausschläge nach oben oder unten gibt. Aber es ist auch klar: Solche Über- und Untertreibungen kommen immer nur zustande auf Basis fundamentaler Einflüsse: durch eine Angebotsverknappung oder durch einen plötzlichen Nachfrageschub …

mm.de: … beides beobachten wir momentan.

Tangermann: Ja, die Lage hat sich in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut. Nun sehen wir eine echte Finanzmarktrally, in die sich immer mehr Anleger einreihen. Die Spekulanten sind aber nie diejenigen, die eine solche Entwicklung auslösen. Die springen auf einen Zug auf, der schon fährt, und dann kann es sein, dass das den Zug noch weiter beschleunigt.

mm.de: Aber der Einfluss der Spekulation scheint größer zu werden. Die Umsätze mit Rohstoffkontrakten an den Warenterminbörsen haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Sind die Übertreibungen größer als früher?

Tangermann: Das ist eindeutig so. Der Anteil des dort investierten Kapitals, das nicht aus dem Bereich der kommerziellen Transaktionen mit der entsprechenden Ware stammt, hat deutlich zugenommen.

mm.de: Was schließen Sie daraus? Sollte man die Märkte dichtmachen, wie das jetzt die indische Regierung tut?

Mehr zum Thema in:
manager magazin 06/2008

Spekulanten

Nahrungsmittelknappheit, Energiekrise, Währungschaos. Wer stoppt die Zocker? Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 06/2008, ab Seite 104.

Tangermann: Auf keinen Fall. Das ist wie bei einer Blinddarmoperation. Ab und zu geht auch mal was schief. Deshalb würde man aber doch Blinddarmoperationen nicht verbieten. Schließlich sind sie im Allgemeinen hilfreich. Sicher schießen Terminmärkte gelegentlich übers Ziel hinaus. Aber deshalb macht man sie doch nicht dicht. Diese Märkte sind ja keine Kasinos, sondern sie haben eine wichtige wirtschaftliche Funktion: Sie nehmen eine zukünftige Preisentwicklung vorweg; vor allem erlauben sie der Landwirtschaft und den Nahrungsmittelproduzenten sich gegen das Risiko schwankender Preise abzusichern. Und diese beiden Funktionen können sie umso besser erfüllen, je liquider die Märkte sind.

mm.de: Das heißt: Spekulation bringt Liquidität in die Märkte und erhöht damit ihre Effizienz?

Tangermann: Richtig.

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