26.05.2008
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Starökonom Krugman

"Die USA sind kein Vorbild"

Von Matthias Kaufmann

9. Teil: "Mindestlöhne sind nicht schädlich"

mm.de: Blair hat mit Erfolg Mindestlöhne eingeführt.

Krugman: In Deutschland schienen die lange unnötig, weil die Mitbestimmung ein Mindestmaß in der Entlohnung garantierte. Das hat sich gewandelt, und deswegen ist eine Debatte über Mindestlöhne sinnvoll.

Britischer Ex-Premier Blair: Schädlicher Einfluss von Mindestlöhnen nicht nachweisbar
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AP

Britischer Ex-Premier Blair: Schädlicher Einfluss von Mindestlöhnen nicht nachweisbar

In den USA wurde viel zu dem Thema geforscht, oft mit dem erklärten Ziel, einen generell schädlichen Einfluss von Mindestlöhnen nachzuweisen. Das ist nicht gelungen. Unser Kenntnisstand ist: Ein moderater Anstieg bei den Mindestlöhnen scheint nicht viele Arbeitsplätze zu kosten, kann aber großen politischen Gewinn bedeuten.

mm.de: Sie führen auch hier den politischen Gewinn an. Das zieht sich durch ihr ganzes Buch: Sie messen politischen Entscheidungen ein größeres Gewicht für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA bei als ökonomischen Phänomenen wie etwa der Globalisierung. Da würden viele deutsche Wirtschaftswissenschaftler wohl widersprechen. Verabschieden Sie sich gerade von Ihrem Fachbereich?

Krugman: Das ist ein Streitpunkt in meinem Fach, aber ich stehe mit dieser Haltung nicht allein da. Warum ich das Politische so betone? Mit den Mitteln der verbreiteten Lehrmeinung lässt sich der Zuwachs der Ungleichheit in den USA bestenfalls zur Hälfte erklären: Globalisierung, technischer Fortschritt, die geringere Nachfrage nach einfacher Arbeit. Bei der Suche nach weiteren Gründen wechseln tatsächlich viele Kollegen in die Soziologie (lacht). Im Ernst: Der Zweifel unter Ökonomen wächst, ob die "unpolitischen" Ansätze ausreichen.

Nicht zuletzt lässt sich damit nicht erklären, warum die Ungleichheit in den USA so viel schneller gewachsen ist als in anderen Ländern, die der Globalisierung und dem technischen Fortschritt in vergleichbarer Weise ausgesetzt sind. Da muss also noch etwas sein.

mm.de: Damit soll ernsthaft nicht mehr gelten, dass die Globalisierung der dominierende Faktor für wirtschaftliche und politische Entwicklungen im eigenen Land ist?

Krugman: Ganz recht! Nicht, dass der Weltmarkt unwichtig wäre. Aber verfallen Sie nicht dem Fatalismus, man könne national nichts ausrichten, weil die Globalisierung dieses oder jenes erfordere. Dafür gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Belege - aber es ist eine beliebte Ausrede der Politik. Nur weil es die Globalisierung gibt, kommen Sie nicht umhin, national politische Entscheidungen zu treffen.

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