Die USA sind ein Beispiel dafür, wie man mit radikaler Deregulierung eine Gesellschaft ruiniert. Das schreibt der Starökonom Paul Krugman in seinem neuen Buch, einer Abrechnung mit George W. Bush. Im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt er, von welchen Amerika-Klischees sich die Europäer besser verabschieden - im eigenen Interesse.
mm.de: Professor Krugman, Ihr neues Buch, "Nach Bush", trägt den Untertitel "Die Stunde der Demokraten". Über weite Strecken schreiben Sie eine Geschichte der amerikanischen Wirtschaft im 20. Jahrhundert und befürworten ein Politikideal, wie es von der Demokratischen Partei geprägt ist. Wollen Sie aktiv in den US-Wahlkampf eingreifen?
Paul Krugman lehrt Wirtschaft an der Universität von Princeton und war mehrfach für den Nobelpreis im Gespräch. Als Autor der "New York Times" hat er es in den USA zu großer Popularität gebracht. In seiner wöchentlichen Kolumne macht er keinen Hehl aus seiner Ablehnung für die Politik von Präsident Bush.
mm.de: Derzeit sind Sie auf Vortragsreise in Deutschland, mit einem Buch, das sich auf Amerika und die bevorstehenden Präsidentenwahlen bezieht. Was möchten Sie den Deutschen mitteilen?
Krugman: Trotz aller Unterschiede gibt es einiges, was für Ihr Land von Interesse sein sollte. Zum einen: Das Bush-Amerika, wie Sie es nun seit einigen Jahren als Großmacht kennen, wird es bald so nicht mehr geben. Unser Land orientiert sich neu. Zum anderen: All jene, die die Laisser-faire-Wirtschaft der USA noch immer für ein Vorbild halten, sollten wissen, dass wir Probleme damit haben. Ich bin Ökonom genug, um zu wissen, dass überbordende Eingriffe des Staates in die Wirtschaft schädlich sind. Aber die extreme Auslegung dieser Erkenntnis, wie wir sie in meinem Land in den vergangenen 20 Jahren erlebt haben, hat ein Maß an Armut und Ungleichheit erzeugt, das unerträglich ist.
mm.de: Damit ist das Schlüsselwort Ihres Buches gefallen: Ungleichheit. Dazu würde ein Neoliberaler sagen: Ungleichheit ist eine tolle Sache, sie spornt die Menschen an.
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