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21.05.2008
 

Fresenius

Turbulenzen im Aufsichtsrat

Gute Geschäfte, dennoch Ärger im Unternehmen: Der Fresenius-Aufsichtsrat muss seinem stellvertretenden Vorsitzenden beispringen, dem Aktionäre auf der Hauptversammlung Vetternwirtschaft vorwerfen. Selbst die Fresenius-Erben sorgen für Aufsehen.

Frankfurt am Main - Der Gesundheitskonzern Fresenius Chart zeigen hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr und die mittelfristigen Ziele bekräftigt. "Alle Unternehmensbereiche sind im Plan und gut aufgestellt, ihre Ziele für 2008 zu erreichen", sagte Vorstandschef Ulf Schneider. 2008 erwartet Fresenius beim Umsatz währungsbereinigt ein Plus von 8 bis 10 Prozent und beim Jahresüberschuss einen Anstieg von 10 bis 15 Prozent. Fresenius erwarte auch über das Geschäftsjahr 2008 hinaus weiteres profitables Wachstum: Bis zum Jahr 2010 will Fresenius SE einen Umsatz von 15 Milliarden Euro erreichen. Auch die Ebit-Marge soll 15 Prozent betragen.

Turbulente Hauptversammlung: Aktionäre werfen Aufsichtsrat Vetternwirtschaft vor
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DPA

Turbulente Hauptversammlung: Aktionäre werfen Aufsichtsrat Vetternwirtschaft vor

"An den vorgelegten Zahlen gibt es nichts zu meckern", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Kritik äußerte Nieding jedoch an der Schlammschlacht im Aufsichtsrat: "Was wir überhaupt nicht mögen, sind öffentlich ausgetragene Querelen im Aufsichtsrat." Dessen stellvertretender Vorsitzende, Dieter Schenk, war vor Beginn der Hauptversammlung in die Schusslinie geraten.

"Die aufgetauchten Vorwürfe, dass Aufsichtsrat Schenk die Sozietät Nörr Stiefenhofer Lutz, deren Partner Schenk ist, bevorzugt habe, sind ebenso völlig unbegründet wie die angeblich zu Interessenkollision führenden Ämterhäufung von Schenk", sagte Aufsichtsratschef Gerd Krick auf der Hauptversammlung. Schenk ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums, er ist auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Else-Kröner-Stiftung und einer von drei Testamentvollstreckern von Else Kröner, die das Unternehmen geerbt und aufgebaut hatte. Die Stiftung hält rund 60 Prozent des stimmberichtigten Kapitals von Fresenius.

Im Vorfeld der Hauptversammlung war Kritik an Schenk laut geworden. In zwei Gegenanträgen hatten Aktionäre einen Interessenkonflikt von Schenk nicht ausgeschlossen; zudem deuteten sie an, die Mandatierung seiner Kanzlei könne gegen das Aktiengesetz verstoßen.

Der Aufsichtsrat wies die Vorwürfe zurück. "Die Sozietät Nörr Stiefenhofer Lutz ist vom Fresenius-Konzern in keiner Weise bevorzugt mandatiert worden", sagte Krick. Der Anteil der auf die Kanzlei entfallenden Kosten stelle nur einen Bruchteil der gesamten Rechtsberatungskosten des Unternehmens im vergangenen Jahr dar, betonte er. Sieben andere Kanzleien hätten 2007 zum Teil deutlich höhere Beratungshonorare erhalten. "Sämtliche Mandate, die der Sozietät Nörr Stiefenhofer Lutz vom Fresenius-Konzern erteilt worden sind, sind zu marktüblichen Bedingungen vergütet worden", sagte Krick. Die Mandatierungen widersprächen nicht dem Aktiengesetz. Dies alles habe Fresenius auch von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young umfassend überprüfen lassen.

Auch Kritik daran, dass Schenk mehrere Ämter bekleidet, wies der Aufsichtsrat zurück. Dies entspreche dem Willen der Stifterin. "Eine Interessenkollision, die dazu führen würde, dass Herr Dr. Schenk nicht als Mitglied des Aufsichtsrats der Fresenius SE amtieren könnte, ist nach unserer Auffassung nicht zu erkennen", sagte Krick.

Die Fresenius-Aktionäre haben schließlich Unternehmensberater Roland Berger und Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller in das Kontrollgremium des Medizintechnikunternehmens aus Bad Homburg gewählt. Gabriele Kröner, Mitglied der Gründerfamilie des Unternehmens, wurde dagegen nicht wieder in das Aufsichtsgremium gewählt. Sie hatte dem Aufsichtsrat seit 1988 mit Unterbrechungen angehört, und war in einem Gegenantrag erneut nominiert worden.

Die Anteilseigner genehmigten sich ferner eine Erhöhung der Dividende um 15 Prozess auf 0,66 Euro je Stammaktie und 0,67 Euro je Vorzugsaktie.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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