Von Arne Stuhr
"Eher Einschnitte statt Expansion"
Lutz Raettig sieht das genauso. Eine der Lehren aus der Krise müsse es sein zu hinterfragen, welche Komplexität man den Kunden aber auch den eigenen Mitarbeitern zumuten könne. Zwar haben die Banken aus der Sicht des Aufsichtsratschefs der deutschen Tochter von Morgan Stanley
die bilanzielle Behandlung der aktuellen Verwerfungen mittlerweile im Griff, das Ende der Krise mochte aber auch Raettig, derzeit auch Interimschef von Morgan Stanley Deutschland, nicht ausrufen.
Neben dem nach wie vor "wackeligen Geldmarkt" beschäftigt Raettig vor allem die Frage, welche Märkte und Produkte nach der Krise eigentlich wiederkommen werden. Im schlimmsten Fall müssten ganze Produktlinien eliminiert werden. Einen Vorgeschmack, welche Auswirkungen - von den fehlenden Erträgen mal ganz abgesehen - solch ein "dramatischer Prozess" hätte, habe die UBS
geliefert. Die Schweizer hatten in dieser Woche im Zuge der Finanzkrise den Abbau von 5500 Stellen angekündigt. Das Stimmungsbild in seiner Branche fasste Raettig dann auch mit den Worten "eher Einschnitte statt Expansion" zusammen.
Auch Stephan Gemkow, Finanzvorstand der Lufthansa
, befürchtet ein Durchschlagen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. Schon jetzt sei die Refinanzierung, vor allem für Mittelständler, teurer und die Kreditvergabe durch die Banken selektiver geworden. Aufgrund des "großen Time-Lags zwischen Finanz- und Realwirtschaft" und der zum Beispiel auch bei seinem Unternehmen aktuell sehr guten Ertragslage sei es aber schwierig, für solche Hinweise Gehör zu finden.
Vielleicht muss er es einfach nur so drastisch und zugespitzt wie Bundesbanker Kotz ausdrücken, um vor dem heranrasenden Zug zu warnen: "Was jetzt täglich an den Geldmärkten passiert, dürfte statistisch nur alle 16.000 Jahre vorkommen."
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