Es wird Frühling: Die Knospen sprießen, die Vögel singen, die Spargelbauern jammern. Wie jedes Jahr beklagen sie, dass nur wenige Erntehelfer für sie arbeiten wollen. Ein Knochenjob für vier Euro Stundenlohn plus Leistungszuschlag.
Und doch hat sich etwas geändert im rituellen Klagelied. Sangen die Bauern noch vor ein, zwei Jahren hauptsächlich von deutschen Arbeitslosen, die sich nicht für die Ernte des königlichen Gemüses gewinnen ließen, mischen sich nun auch enttäuschte Töne über polnische Saisonarbeiter dazwischen. Die waren bisher in die Bresche gesprungen, ziehen es nun aber vielfach vor, in Skandinavien zu arbeiten, oder in Großbritannien, wo es einen Mindestlohn von demnächst 8,10 Euro gibt. Die Lücken füllen Rumänen - oder der Spargel vergammelt auf dem Feld.
Die Frage ist, wie lange die Rumänen Lückenbüßer spielen wollen, und zwar nicht nur bei der deutschen Spargelernte. Für den Westen ist das Land eine billige Werkbank. Ausländische Konzerne, darunter auch
deutsche wie Metro
, Continental
oder der Bekleidungsmulti Steilmann, haben dort zwischen 2000 und 2006 rund 30 Milliarden Dollar investiert, Tendenz steigend. Der Umzug des Handyherstellers Nokia
von Bochum ins transsilvanische Cluj ist ein
prominentes Beispiel.
Nokia hofft wohl auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie Renault
. Der französische Autokonzern übernahm 1999 im rumänischen Pitesti den maroden Fabrikkomplex von Dacia, einem Hersteller, der schon zu Ostblockzeiten alte Renault-Modelle nachgebaut hatte.
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