Hamburg - Dass die Automobilhersteller inzwischen auch kräftig im Finanzdienstleistungsgeschäft mitmischen, dürfte sie künftig mehr und mehr belasten. Laut einer Studie der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton kommen auf die hierzulande agierenden Hersteller im Zuge der Kreditkrise allein im laufenden Jahr 500 Millionen Euro zusätzliche Kosten zu.
Wie das? Seit Jahren nimmt das Geschäft mit Fahrzeugfinanzierungen zu. Abgewickelt wird es in erster Linie über herstellereigene Banken. Nahezu alle Autobauer von Bedeutung besitzen zu diesem Zweck inzwischen eigene Töchter. Etwa zwei Drittel aller Neuzulassungen gelangen bereits per Finanzierung oder Leasing in den Markt. Wiederum zwei Drittel dieser Transaktionen gehen auf das Konto von Herstellerinstituten wie der Volkswagen Bank, der BMW Bank oder der Mercedes-Benz Bank.
Dabei werden die Autobauer künftig vor allem bei günstigen Offerten wie etwa Null-Prozent-Finanzierungen immer tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Grund: Die Banken geben ihre Autokredite zwar sehr günstig an die Käufer aus, kalkulieren jedoch intern präzise, welchen Zins sie benötigen, um auf ihre Marge zu kommen. Die Differenz zwischen dem kalkulierten Zins und dem tatsächlich berechneten wird den Banken dann vom Hersteller beglichen.
"Quersubventionierung ist gang und gäbe"
"Diese Quersubventionierung ist gang und gäbe", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Das Problem der Hersteller ist aber: Ihre Finanztöchter sind auf der Refinanzierungsseite den gleichen Konditionen unterworfen, wie andere Banken auch. Und diese Konditionen haben sich in den vergangenen Monaten im Zuge der Finanzkrise erheblich verschlechtert.
Hauptproblem sind laut Booz Allen Hamilton die gestiegenen Kapitalmarktzinsen und Risikokosten in der Eurozone. Die bisherige Praxis der Herstellerbanken, sich zur Refinanzierung selbst günstig Geld zu leihen, ist daher nur noch eingeschränkt möglich. Zudem ist es nach Angaben der Beratungsgesellschaft schwieriger geworden, günstige Kundenkredite durch Finanzgeschäfte mit anderen Banken abzusichern.
Schließlich wirkt sich auch das mögliche Austrocknen des Verbriefungsgeschäfts negativ auf die Geschäfte der Autobanken aus. Bisher war es den Instituten möglich, Kreditpakete zu Wertpapieren (sogenannte Asset Backed Securities, ABS) zu bündeln und am Kapitalmarkt zu platzieren. Die Volkswagen Bank etwa hat 2007 auf diese Weise nach Angaben eines Sprechers etwa 14 Prozent ihres Refinanzierungsgeschäfts bewältigt.
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