Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:19 Uhr

manager magazin



08.04.2008
 

IWF-Prognose

Finanzkrise verbrennt eine Billion Dollar

Die Finanz- und Immobilienkrise in Amerika könnte nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds weltweite Schäden von rund 945 Milliarden Dollar verursachen. Mittlerweile habe sich der Crash auf die gesamte Welt ausgeweitet - und die Krise schwäche sich noch immer nicht ab.

Washington - Wirtschaftsexperten wagen eine Schreckensprognose: Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet als Folge der Krise am US-Hypothekenmarkt und anderen Teilen der Kreditmärkte Verluste von nahezu einer Billion Dollar.

Allein in Verbindung mit ausfallgefährdeten US-Wohnungsfinanzierungen und fallenden Preisen für solche Immobilien könnten Verluste von rund 565 Milliarden Dollar auflaufen, hieß es im am Dienstag veröffentlichten IWF-Bericht zur Welt-Finanzstabilität. Ausfälle am Markt für Geschäftsimmobilien und bei Krediten für Konsumenten hinzugerechnet, könnte die Summe auf 945 Milliarden Dollar steigen. Diese Schätzungen, "geben einen Hinweis auf mögliche zusätzliche Belastungen des Bankenkapitals und weitere Abschreibungen". Die Prognose ist nach Angaben des IWF vorläufig; noch höhere Verluste seien denkbar.

Die Kreditkrise habe sich in den vergangenen sechs Monaten zudem verschärft. Obwohl die Notenbanken mehrfach Geld in den Markt gepumpt hätten, stünden die Finanzmärkte weiter unter Druck. Mittlerweile habe sich die Krise nach Einschätzung der IWF-Experten vom Epizentrum USA kommend weltweit ausgedehnt.

In seinem Bericht beklagt der Fonds Mängel im weltweiten Finanzsystem und schlägt Änderungen vor. Die aktuelle Krise habe die ganze Zerbrechlichkeit des Systems aufgezeigt. Dabei seien Grundsatzfragen zur Effizienz der Krisenreaktionen von privatwirtschaftlichen und staatlichen Institutionen aufgeworfen worden. Die Risiken für die Stabilität wiesen nach oben. Bestehende Sorgen zur Stabilität des Gesamtsystems würden noch verschärft durch Verschlechterungen in Einzelbereichen, wie schlechteren Kreditqualitäten oder Liquiditätsproblemen begleitet von Erschwernissen bei der Kreditbeschaffung.

Die Herausforderung liege nun darin, schnelle Schritte zur Risikominderung einzuleiten, heißt es in dem IWF-Bericht. Es müssten Notfall- und Sanierungspläne entworfen werden. Zugleich müssten die Grundursachen für die Finanzkrise angegangen werden.

Kurzfristig sei notwendig, Dauer und Tiefe der Krise zu mildern. Es gehe um eine Minderung der Unsicherheit an den Finanzmärkten und die Stärkung des Vertrauens. So sollten die betroffenen Banken und Finanzfirmen ihre Verlust zeitnahe offenlegen, Banken-Bilanzen müssten schnell in Ordnung gebracht werden und das Risikomanagement müsse verbessert werden.

Auf der öffentlichen Seite sollten die Aufsichtsbehörden für mehr Transparenz und für eine einheitlichere Bewertungspraxis von Risiken sorgen. Sie sollten ihre Aufsicht gerade im Hinblick auf die Kapitalunterlegung von Risiken verstärken und "Stabilitätsberichte" in Hinblick auf schwer zu bewertende strukturierte Finanzprodukte erstellen. Der Staat sollte zudem bereitstehen, um bei Kollapsgefahren von einzelnen Instituten schnell zu helfen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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