Ljubljana - Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird von der Krise an den Finanzmärkten nach Einschätzung von Bundesbank und Bundesregierung nicht gebremst. "Ich habe keine Veranlassung, Korrekturen am Wirtschaftswachstum vorzunehmen", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück am Samstag am Rande des EU-Finanzministertreffens in Ljubljana.
Auch die Bundesbank sieht nach Worten von Präsident Axel Weber Bundesbankpräsident Axel Weber keine Anlass zu einer deutlichen Abwärtsrevision ihrer Vorhersage von 1,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr. "Es gibt keinen Grund, wirtschaftspolitisch mit der Fiskalpolitik oder Geldpolitik gegenzusteuern", betonte Weber. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt halte ebenso an wie das Exportwachstum. Nur der Konsum sei noch immer nicht in Fahrt gekommen.
Die jüngste Prognose des Internationalen Währungsfonds, wonach das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2008 um nur 1,4 Prozent zunimmt, bezeichnete der Bundesbankpräsident als zu pessimistisch. Der IWF gehe von Risikoszenarien aus, die die Bundesbank für unwahrscheinlich halte. Steinbrück ergänzte, der Abschwung in den USA wirke sich nicht mehr so stark auf die europäische Wirtschaft aus wie früher. Doch dürften die Auswirkungen im kommenden Jahr spürbar werden.
Für 2008 prognostiziert die Bundesregierung 1,7 Prozent Wachstum. Die Hypothekenkrise in den USA werde zwar die Ergebnisse der Banken in diesem Jahr belasten, doch habe das die Kredite für Unternehmen und Verbraucher kaum verteuert, sagte Weber weiter. "Die Kreditvergabe im Euro-Raum ist noch nicht betroffen, insbesondere in Deutschland gibt es eine steigende Kreditvergabe."
Ein Ende der Bankenkrise und der Talfahrt an den Börsen sei allerdings noch nicht absehbar. Entscheidend sei jetzt, dass die Banken ihre Verluste und Risiken offen legten, um die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern zu verscheuchen. Nach Ansicht von Steinbrück sind die Banken immer noch nicht ehrlich genug über ihre Belastungen. "Dieser Prozess läuft noch nicht befriedigend", sagte Steinbrück. Wenn die Banken weiter mit dem Finger aufeinander zeigten, riskierten sie, eine Abwärtsspirale auszulösen und in eine außerordentlich schwierige Situation zu geraten.
Ein Grund zur Besorgnis für die nach Preisstabilität strebende Europäische Zentralbank (EZB) ist Weber zufolge die kräftige Tariferhöhung um rund 5 Prozent im öffentlichen Dienst Deutschlands. Bisher seien die Lohnabschlüsse insgesamt deutlich höher ausgefallen als von der Zentralbank erwartet. Das müsse jetzt in die Prognosen eingerechnet werden. Die Erhöhung für die deutschen Staatsbediensteten ist nach Ansicht Webers und Steinbrücks jedoch vor dem Hintergrund der Nullrunden in den vergangenen Jahren zu sehen und damit ein Stück weit gerechtfertigt.
manager-magazin.de mit Material von reuters
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