04.04.2008
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Ratingagenturen

"Wir haben alle Fehler gemacht"

Von Grit Beecken und Jochen Eversmeier

2. Teil: "Rating ist nicht gleich Rating"

mm.de: War es ein Fehler, die neuen Finanzinstrumente wie Collateralised Debt Obligations (CDOs) - also extrem verschachtelte Finanzkonstrukte, die Millionen einzelner Kreditrisiken enthalten konnten - nach dem gleichen Raster zu benoten wie Unternehmensanleihen?

  Christina Bannier  (33) hat seit März 2007 die Professur für Mittelstandsfinanzierung an der Frankfurt School of Finance inne. Zuvor verwaltete sie das Institut für Finanzmarkttheorie der Leibniz-Universität Hannover.
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Uwe Nölke

Christina Bannier (33) hat seit März 2007 die Professur für Mittelstandsfinanzierung an der Frankfurt School of Finance inne. Zuvor verwaltete sie das Institut für Finanzmarkttheorie der Leibniz-Universität Hannover.

Bannier: Ja, das ist mit Sicherheit ein wichtiger Punkt. AAA ist nicht gleich AAA. Und das Rating eines strukturierten Produkts ist etwas anderes als das Rating einer Unternehmensanleihe. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Agenturen dessen bewusst waren. Man hätte wahrscheinlich besser gleich andere Bezeichnungen wählen sollen.

mm.de: Der President und COO von Moody's Investors Service, Brian Clarkson, sagte kürzlich im manager-magazin-Interview: "Wir haben uns darauf verlassen, dass die Informationen korrekt waren, die wir von den verschiedenen Banken über die unterschiedlichen Kreditportfolios bekamen". Was halten Sie von einer solchen Aussage, die wenig Hoffnung auf Besserung macht?

Bannier: Informationen sind nur ein Bestandteil von Ratings, die Verknüpfung und Modellierung dieser Informationen der andere. Ratingagenturen sehen gerade in letzterem ihre Expertise.

Offensichtlich akzeptiert der Markt aber solche Äußerungen. Denn auch nach der Enron-Pleite sagten die Agenturen, sie hätten sich auf die Informationen des Unternehmens verlassen - und ihr Ruf hat darunter kaum gelitten.

Die Investoren scheinen es sich jedoch ebenfalls bequem zu machen und besorgen sich ihre Informationen nicht selbst. Das ist die Lehre aus der Finanzmarktkrise: Wir haben alle Fehler gemacht, den Schuldigen gibt es nicht. Auch der einzelne Kleinanleger hätte sagen müssen: Ich verstehe die Produkte nicht so ganz, da ist es nicht so klug, sich auf eine einzelne Meinung zu verlassen.

mm.de: Welche Auswege gibt es aus dem Dilemma, was kann man künftig besser machen?

Bannier: Wir können lernen, dass in neuen, komplexen Finanzprodukten grundsätzlich auch Gefahren stecken. Man muss dafür sorgen, dass Investoren auf einer möglichst breiten Informationsbasis entscheiden. Sie müssen also in der Lage und bereit sein, sich zusätzliche Informationen zu beschaffen. Das setzt natürlich Transparenz seitens der Unternehmen voraus.

mm.de: Was sind die drei wichtigsten Punkte, die es zu verbessern gilt?

Bannier: Wir müssen erstens alle Investoren darauf hinweisen, dass es nicht ausreicht, sich an einer einzigen Information - dem Rating - zu orientieren. Die Unternehmen müssen die relevanten Daten natürlich auch zugänglich machen. Zweitens gilt es, endogene Risiken zu minimieren. Denn mit jeder Reaktion verändern die Marktteilnehmer das System.

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