03.04.2008
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Biosprit

Gabriels Pläne vor dem Aus

Es bleibt unklar, wie viele Autos die geplanten 10 Prozent Bioethanol im Benzin nicht vertragen. Der Verband der Autobauer korrigierte seine Zahlen heute zwar deutlich nach unten. Umweltminister Gabriel muss seine Biosprit-Novelle aber wohl dennoch begraben - denn ausländische Hersteller haben weit größere Probleme damit.

Frankfurt am Main - Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat am Donnerstag die endgültigen Zahlen für die Biosprit-Verträglichkeit der Motoren von Autos deutscher Hersteller veröffentlicht. Danach vertragen nur 189.000 Pkw deutscher Marken im Bestand keine erhöhte Biosprit-Beimischung zum Benzin und müssen auf Super-Plus umgestellt werden. Für weitere 170.000 Fahrzeuge war nach Angaben des Verbandes bereits bislang empfohlen worden, auf Super-Plus umzusteigen. Für diese ändere sich nichts.

Grüner Sprit: Nicht alle Fahrzeugtypen vertragen ihn
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DPA

Grüner Sprit: Nicht alle Fahrzeugtypen vertragen ihn

Die detaillierte Übersicht der Pkw deutscher Hersteller, die nicht mit der neuen Kraftstoffsorte mit einem Bioethanolanteil von bis zu 10 Prozent betankt werden dürfen, sei am Donnerstag dem Bundesumweltministerium übermittelt worden.

"Damit haben wir unsere Aussage, dass höchstens 375.000 Fahrzeuge deutscher Hersteller betroffen sind, eindeutig bestätigt", betonte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Die deutsche Automobilindustrie habe auch in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht und Wort gehalten. "Insgesamt können über 98 Prozent der rund 21 Millionen Fahrzeuge deutscher Hersteller mit Benzinmotor mit der neuen Kraftstoffsorte E-10 betankt werden", sagte Wissmann.

Zuvor hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt, die Verordnung zur Erhöhung der Beimischung von Bioethanol (E-10) ins Benzin werde nicht in Kraft gesetzt, sollte mehr als eine Million Autos das neue Gemisch nicht vertragen. Dabei müssen allerdings die Zahlen ausländischer Hersteller ebenfalls berücksichtigt werden. Und die sind offenbar deutlich höher als die der deutschen Autobauer.

"Wir rechnen mit einer siebenstelligen Zahl"

So werden nach Schätzung der Autoimporteure mehr als eine Million Autos ausländischer Marken in Deutschland Probleme bei einer höheren Biosprit-Beimischung zum Benzin bekommen. "Wir rechnen mit einer siebenstelligen Zahl, die Million wird überschritten", sagte ein Sprecher des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) mit Sitz in Bad Homburg am Donnerstag auf Anfrage. Dies sei eine erste Schätzung, die genaue Zahl ermittelten die Verbandsmitglieder derzeit. "In der Masse wird die Beimischung nicht funktionieren, es handelt sich um ein gravierendes Problem."

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), hatte schon am Mittwoch gesagt, es sei zu erwarten, dass die Zahlen der ausländischen Hersteller deutlich höher liegen als die der deutschen Hersteller. Für die Umsetzung der Verordnung gebe es daher voraussichtlich einen Aufschub.

"Eine Umweltpolitik, die den Namen nicht verdient"

Bislang will die Bundesregierung den Bioethanolanteil am Benzin 2009 von 5 auf 10 Prozent erhöhen. Bei Unverträglichkeit der höheren Beimischung müssten die betroffenen Autofahrer das teurere Super-Plus-Benzin tanken. Laut VDIK sind auf deutschen Straßen rund 35 Millionen Wagen mit Benzinmotor unterwegs, darunter 7 Millionen von ausländischen Herstellern. Der ADAC hatte zuletzt von insgesamt mehr als drei Millionen Fahrzeugen gesprochen, die in Deutschland mit dem höheren E-10-Anteil nicht klarkommen würden.

Unterdessen wächst auf politischer Ebene der Widerstand gegen die gesamte Biosprit-Strategie des Bundes. Umweltschützer, Opposition und CSU verlangten am Donnerstag ein neues Konzept für den Einsatz von Treibstoffen aus Pflanzen. Bayerns Umweltminister Otmar Bernhard (CSU) sprach von "einer klimapolitischen Luftnummer" von Bundesumweltminister Gabriel. Biomasse solle eher zur Strom- und Wärme-Erzeugung benutzt werden, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Das sei effektiver und bringe mehr für den Klimaschutz.

Der Vorsitzende des Umweltverbands Bund, Hubert Weiger, verlangte: "Es ist überfällig, dass Umweltminister Sigmar Gabriel die Strategie beerdigt. Die Agrostrategie ist ein weiterer Sargnagel für das Weltklima." Die Vorsitzende des Agrarausschuss des Bundestags, Ulrike Höfken (Grüne), sagte: "Das ist eine Art von Umweltpolitik, die den Namen überhaupt nicht verdient."

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp, dpa-afx

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