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31.03.2008
 

Finanzkrise

Warum die Geld-Dealer am Ende sind

Von Wolfgang Kaden

Der angelsächsische Finanzkapitalismus hat die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren mehr und mehr geprägt. Mit der aktuellen Krise hat er seinen Ruf irreparabel beschädigt. Es ist an der Zeit, sich auf alte Tugenden des Wirtschaftens zurückzubesinnen.

Der Kapitalismus, liebevoll auch Marktwirtschaft genannt, hat viele gute Eigenschaften. Einer seiner wichtigsten Vorzüge, vielleicht die wichtigste Eigenschaft, ist seine Anpassungsfähigkeit. Anders als das verblichene Konkurrenzmodell, der unbewegliche sowjetische Staatssozialismus, stellt sich kapitalistisches Wirtschaften immer wieder flexibel auf neue Herausforderungen ein. Mal allmählich, mal abrupt.

Händler in New York: "Der angelsächsische Finanzkapitalismus wird der große Verlierer sein"
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DPA

Händler in New York: "Der angelsächsische Finanzkapitalismus wird der große Verlierer sein"

Jetzt ist es wieder so weit. Vieles spricht dafür, dass wir gegenwärtig Zeugen (und, leider auch Betroffene) eines abrupten, aber nachhaltig wirkenden Umbruchs sind.

Die Prognose sei gewagt: Mit der aktuellen Bankenkrise, im Urteil nicht nur des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan die heftigste Erschütterung seit dem Zweiten Weltkrieg, läuft die unangefochtene Vorherrschaft des angelsächsischen Finanzkapitalismus aus. Die globale Ökonomie wird und muss sich neu formieren.

Die vergangenen zehn, fünfzehn Jahre waren wahrhaft goldene für jene flotten Geld-Dealer, die vorzugsweise in New York oder in London ihre Büros haben. Sie sind es, die Unternehmen zerlegen und in neuer Kombination zusammenfügen. Die mit Neuerungen wie Hedgefonds oder Private Equity die Manager in den produzierenden Unternehmen vor sich hertreiben. Die ihr Glaubensbekenntnis weltweit durchgesetzt haben: dass Unternehmen nur ein einziges Ziel kennen dürfen, nämlich den Gewinn zu mehren.

Banking als Ordnung setzende Macht

In den 80ern des vorigen Jahrhunderts hat dieser angelsächsische Finanzkapitalismus Fahrt aufgenommen; in den 90ern dann hat er den Sieg davongetragen über die kontinental-europäische/japanische Form der Marktwirtschaft. Letztere war im Gegensatz zur Wall-Street-Variante nicht vom Geld dominiert, die Unternehmen werden in dieser Wirtschaftskultur nicht nur auf Börsenwerte reduziert. Das Produkt oder die Dienstleistung stand (und steht vielerorts bis heute) hier im Vordergrund. Es ging und geht auch um die Kunden, um die Mitarbeiter, die Gesellschaft - und nicht allein um bilanzielle Kennziffern, um Ebit oder ROI.

Die Maschinerie des Investmentbankings ist über diese traditionellen Ausprägungen des Wirtschaftens hinweggerollt, in allen Winkeln des Globus. Mehr und mehr steigerten sich Goldman Sachs Chart zeigen, Merrill Lynch Chart zeigen und Co. in die Rolle der Masters of the Universe. Banking verstanden und verstehen diese Heroen des Geldes nicht mehr als Dienstleistung für Industrie, Handel oder Gewerbe. Banking ist eine Art Ersatz für die fehlende Weltregierung geworden, eine Ordnung setzende Macht, über alle Grenzen und Kontinente hinweg.

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