Von Karsten Stumm
Noch Spielraum im Übernahmepoker
Viele deutsche Firmen sitzen auf einem erheblichen Batzen Bargeld. Nach Berechnungen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung stiegen ihre Gewinne in den elf Quartalen seit September 2004 um 25 Prozent; im vorigen Aufschwung waren es nur etwas mehr als 5 Prozent. Und nach Angaben des Finanzdatenspezialisten JCF rechnen die meisten Investmentbanker damit, dass die Nettogewinne der hiesigen 30 Dax-Unternehmen
in diesem Jahr durchschnittlich um weitere 9 Prozent steigen werden.
In Amerika aber, glaubt beispielsweise der US-Chefstratege der Citigroup
"Die Industrie in den USA und in Deutschland entwickelt sich derzeit eindeutig auseinander", sagte Gilles Moec, Volkswirt der Bank of America
. Dabei konzentriere sich das Phänomen innerhalb der Euro-Zone vor allem auf Deutschland, weniger auf Frankreich, Italien und Spanien. Speziell die Dax-Konzerne nutzten ihre Gewinne zudem dazu, aufgelaufene Schulden zurückzuzahlen: Seit dem Jahr 2002 haben sie ihre Nettoschulden halbiert. Das erhöht ihren Finanzspielraum im Übernahmepoker nun zusätzlich.
Dabei haben nicht wenige deutsche Unternehmen die nicht mal nötig: "Weil sie in den vergangenen Jahren hohe Gewinne eingefahren haben, können sich von innen finanzieren und sind nicht auf Kredite angewiesen", sagt Dekabank-Volkswirt Sebastian Wanke.
Genau in dieser Lage sind US-Unternehmen dann auch noch für europäische und somit auch deutsche Aufkäufer vergleichsweise billig zu haben, schließlich werden sie mit schwachen Dollar bezahlt. Zumindest in diesem Fall macht sich der hohe Euro-Kurs
für Deutschlands Unternehmen also bezahlt. Ein Drittel aller Manager deutscher Unternehmen suchen dann auch aktuell nach Zukaufsmöglichkeiten auf dem US-Markt, belegt eine Umfrage der Unternehmensberatung Droege & Comp.
"Im Moment haben viele deutsche Unternehmen im Übernahmespiel alle Trümpfe in der Hand", sagt Osamu Takashima, Chefanalyst der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ.
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