Gelsenkirchen - "Das Wachstum der deutschen Autobauer geht nach 2009 an Deutschland vorbei", zitiert die "Welt am Sonntag" aus einer Untersuchung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer. Die Kapazitäten im Inland müssten um 370.000 Autos abgebaut werden. "Im Produktionsbereich werden bei den Autobauern nach unserer Einschätzung bis 2013 zwischen 15.000 und 20.000 Arbeitsplätze entfallen", sagt die Studie dem Blatt zufolge voraus.
Der Autoprofessor Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen gehe davon aus, dass künftig ein größerer Teil der Autos als bisher lokal in den Märkten Russland und USA gebaut werde. Exporte in diese Länder belasteten die deutschen Hersteller wegen des starken Euro und hoher Einfuhrzölle in Russland erheblich.
Für die amerikanischen Autobauer befürchtet Dudenhöffer derweil, dass sie von der Krise am US-Immobilienmarkt angesteckt werden könnten. Den Problemen der Immobilienfinanzierer könne eine Krise der Autobanken folgen, die zu den Autoherstellern gehören. Das erklärte der Wissenschaftler gegenüber der Nachrichtenagentur ddp.
Es sei damit zu rechnen, dass bei den Autobanken die Forderungsausfälle steigen, da die Kreditkrise und der Verfall des Immobilienmarktes die Bonität der Kunden verschlechtere, erläuterte Dudenhöffer. Zudem belaste ein spürbarer Verfall der Preise für Gebrauchtwagen das Geschäft der Autobanken.
"Da ein Großteil der Amerikaner sein Auto least, kommen nach Ablauf der Leasingverträge größere Mengen an Spritfressern zu den Autobanken in USA zurück. Diese Fahrzeuge können nur mit hohen Verlusten weiterverkauft werden", skizzierte der Marktbeobachter die Lage. Die Probleme steckten also schon - heute noch versteckt - in den Bilanzen der Autobanken in USA. Analog zum Immobilienmarkt kämen damit Wertberichtigungen auf die Autobanken zu.
Auch für die deutschen Hersteller befürchtet Dudenhöffer Absatzeinbußen in den USA. "Die seit Herbst schwelende Bankenkrise zeigt bereits ihre Spuren im US-Automarkt", sagte der Experte. Zudem traumatisiere der Anstieg der Benzinpreise den Markt. In den ersten beiden Monaten 2008 lagen laut Dudenhöffer die Autoverkäufe in den USA um 5,3 Prozent unter dem Vorjahr. Dabei habe sich das Minus zum Vorjahresmonat im Februar 2008 mit 6,3 Prozent gegenüber Januar (2,9 Prozent) deutlich gesteigert.
Grundsätzlich hätten alle deutschen Autohersteller 2008 mit einem deutlichen Wachstum in den USA kalkuliert, sagte Dudenhöffer. Sie würden zwar nicht so stark wie die US-Autobauer getroffen, die Effekte würden aber spürbar. Die größten Risiken trage der Sportwagenhersteller Porsche, der mit rund 34.700 Verkäufen 2007 gut ein Drittel seiner Fahrzeuge in den USA abgesetzt habe. Doch auch den deutschen Zulieferern drohe Gefahr. Da sie in den USA in den vergangenen Jahren ihre Marktstellung ausgebaut hätten, steige das Risiko für die Großen in der Branche.
manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters
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