Hängepartie in Shanghai
Die Sanierung defekter "Combino"-Straßenbahnen beschäftigt Siemens seit Jahren. Gut die Hälfte der 475 ausgelieferten Züge seien mittlerweile repariert, sagte der neue Chef des Industrie-Segments, Heinrich Hiesinger. Bis 2010 soll die Instandsetzung abgeschlossen sein - und wird Siemens
bis dahin weiter Geld kosten.
Auch die Hängepartie um die Verlängerung der Transrapid-Strecke im chinesischen Shanghai belaste die ohnehin renditeschwache Sparte. 50 Millionen Euro habe Siemens bisher für Ingenieursleistungen ausgegeben, ohne sicher zu wissen, ob die Trasse jemals ausgebaut wird. Siemens hatte das Projektgeschäft mit Zügen und Kraftwerken auf den Prüfstand gestellt, nachdem die Sparten immer wieder ins Trudeln geraten waren und ihre Renditeziele verpasst hatten.
Die erst im vergangenen Jahr sanierte IT-Sparte SIS verlor einen 85 Millionen Euro schweren, prestigeträchtigen Auftrag des britischen Arbeitsministeriums. Die Behörde stornierte die Order, nachdem Siemens einräumen musste, die neue EDV-Struktur nicht wie geplant bis 2010 installieren zu können.
"Ziele für 2010 nicht in Gefahr"
Mit den Aufräumarbeiten habe Siemens das Schlimmste hinter sich, sagte Finanzvorstand Kaeser. Allerdings wollte er nicht ausschließen, dass es auch in den kommenden Quartalen noch zu Belastungen kommen könnte. Die Renditeziele für 2010 seien aber nicht in Gefahr, betonte Löscher.
Analysten sind da skeptisch. "Siemens derzeitige operative Leistung ist enttäuschend, und wir erwarten, dass die Margen in den kommenden 18 Monaten unter Druck kommen", urteilte Bear-Stearns-Analyst Timm Schulze-Melander. "Siemens leidet unter einem tiefsitzenden Problem bei Orderakquise und -umsetzung."
Siemens kündigte an, Aufträge allem im Kraftwerksbau künftig deutlich zurückhaltender anzunehmen. Der Konzern werde den Bau schlüsselfertiger Kraftwerke stark zurückfahren. Siemens wolle künftig jeweils ein Drittel des Geschäfts mit Dienstleistungen, Einzelkomponenten für die Energieerzeugung und schlüsselfertigen Kraftwerken machen, sagte Vorstand Dehen.
Im Kraftwerkbau habe man nicht mit den Produkten Probleme, betonte Dehen. Vielmehr seien angesichts der regen Kraftwerks-Nachfrage die Kapazitätsgrenzen überschritten worden, daher leide Siemens unter Lieferschwierigkeiten bei Einzelteilen und unter einem Mangel an erfahrenen Projektingenieuren.
manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ddp, reuters
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