München - Eine großangelegte Aktion zur Bereinigung von Altlasten hat Siemens zu einer Gewinnwarnung gezwungen und damit rund 14 Milliarden Euro vom Börsenwert des Münchener Technologiekonzerns vernichtet.
Wegen einer Vielzahl unrentabler Großprojekte im Kraftwerksbau, der Zugsparte und dem IT-Segment zog der Konzern seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2007/08 am Montag zurück. Allein im laufenden Quartal werde der Gewinn mit 900 Millionen Euro geschmälert.
Die Aktie von Siemens
brach infolge der bösen Überraschung um 17 Prozent auf 67 Euro ein. Das entspricht in etwa dem Marktwert von MAN
. Seit dem Amtsantritt von Siemens-Chef Peter Löscher ist der Wert von Siemens an der Börse damit um rund 37 Milliarden Euro geschrumpft.
Löscher kauft Aktien für 3,3 Millionen Euro
Löscher und Finanzvorstand Joe Kaeser nutzten den Preisverfall und deckten sich privat mit Siemens-Titeln ein. Allein der Konzernchef machte dafür 3,3 Millionen Euro locker.
Bislang war der Konzern für das laufende Geschäftsjahr (zum 30. September) davon ausgegangen, den Umsatz doppelt so stark zu steigern wie die Weltwirtschaft wachse. Das operative Ergebnis sollte doppelt so stark zulegen wie der Umsatz. Diese Prognose galt ursprünglich auch für das kommende Geschäftsjahr. Davon war Löscher allerdings nach und nach abgerückt.
Eine neue Prognose für 2007/08 will Siemens bis Ende April formulieren. Die Manager lasteten das Finanzdebakel ihren Vorgängern an. "Was wir hier vor uns liegen haben, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit", sagte Löscher in einer Telefonkonferenz.
Kraftwerkbau, Zugsparte und SIS mit Verlusten
Von den bereits feststehenden Einbußen von 900 Millionen Euro beziehen sich 600 Millionen auf den Kraftwerksbau, 200 Millionen auf die Zugsparte und gut 100 Millionen auf die IT-Sparte SIS, wie Finanzchef Kaeser sagte.
Der Chef des Energiesegments, Wolfgang Dehen, räumte ein, dass Siemens sich mit Aufträgen für konventionelle Kraftwerke übernommen habe. "Wir haben die Zuliefersituation unterschätzt und wir haben unsere Personal- und Planungskapazitäten falsch eingeschätzt", sagte er. Aufgrund der ohnehin dünnen Personaldecke sei aber nicht von einem Stellenabbau auszugehen.
Betriebsratschef Ralf Heckmann zeigte sich dennoch besorgt, dass der Gewinneinbruch Jobs kosten könne. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien vom Vorstand mit der Gewinnwarnung überrollt worden.
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