Düsseldorf - Eon-Chef Wulf Bernotat hält an seinem Plan fest, das Milliarden Euro teure und strategisch wichtige Stromleitungsnetz des Unternehmens zu verkaufen. "Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile schien uns dies für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Aktionäre die beste Lösung zu sein", sagte Bernotat heute.
Die Verkaufspläne gelten als Einschnitt auf dem deutschen Energiemarkt. Immer wieder war kritisiert worden, die großen Netzbetrreiber würden Konkurrenten den Marktzutritt durch ihre Netzhoheit erschweren und somit den Strompreis in Deutschland künstlich hoch halten. Bernotat betonte, es sei derzeit noch viel zu früh, Details zu einer möglichen privaten deutschen Netzgesellschaft oder potenziellen Kaufinteressenten zu nennen.
Die Europäische Kommission werde nun zunächst einen Markttest durchführen und dann eine rechtlich bindende Entscheidung treffen. Dies müsse abgewartet werden. Eon stelle sich aber mehr und mehr europäisch auf, sagte Bernotat am Donnerstag in Düsseldorf. Die Gasnetze des Konzerns sind nach seinen Angaben nicht Teil der Verkaufsüberlegungen. Nach Angaben von Finanzvorstand Marcus Schenck hat Eon 2007 mit seinem Stromnetz ein Ergebnis "im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" erwirtschaftet.
Der Verkaufsplan fiel zusammen mit einem weiteren Schwenk in der Unternehmenspolitik des Düsseldorfer Konzerns. Eon
hat, wie manager-magazin.de
vorab exklusiv berichtet hat, ebenfalls seine gesamten Stadtwerkebeteiligungen auf den Prüfstand gestellt und verhandelt mit Stadtwerken über den Verkauf seiner Unternehmenstochter Thüga
, in der Eon seine Beteiligungen gebündelt hat. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Bernotat heute.
Eon-Chef Wulf Bernotat entschuldigte sich darüber hinaus bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Wenige Tage, nachdem der Konzern überraschend seine Bereitschaft signalisierte, seine Leitungsnetze zu verkaufen, sagte der Manager: "Es lag uns fern, jemanden zu brüskieren." Der Zeitpunkt der Veröffentlichung habe nicht in der Hand des Konzerns gelegen. "Die Gespräche wurden durch Indiskretionen bekannt und wir mussten reagieren", sagte Bernotat.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach dem überraschenden Schwenk des Konzerns mit Blick auf die unmittelbar bevorstehenden Gespräche der Bundesregierung mit der Europäischen Kommission gesagt: "Das wird unsere Verhandlungsposition nicht unbedingt stärken." Die Bundesregierung hatte in Absprache mit den Stromkonzernen stets gegen die Pläne der Kommission zur Zerschlagung der Energieversorger gekämpft.
Deutschlands größter Energieversorger hat unebnommen davon im Vorjahr Umsatz und Gewinn weiter gesteigert. Insgesamt stieg der Umsatz des Energieriesen im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 68,7 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis erhöhte sich um 10 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Der um außergewöhnliche Effekte bereinigte Konzernüberschuss lag mit 5,1 Milliarden Euro um 9 Prozent über dem Vorjahreswert. Und unter dem Strich stieg der Konzernüberschuss unter anderem dank einiger Buchgewinne aus Wertpapierverkäufen sogar um 27 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.
Eon stockt seine Investitionspläne dann noch einmal deutlich auf. Konzernchef Bernotat kündigte an, der Konzern werde bis 2010 rund 9 Milliarden Euro mehr für neue Kraftwerke, den Ausbau der Erneuerbaren Energie und der Leitungsnetze ausgeben als bisher geplant. Insgesamt beläuft sich das Investitionsprogramm für die Jahre 2008 bis 2010 damit nach Konzernangaben auf rund 50 Milliarden Euro.
Allein 38 Milliarden Euro davon sollen in die Stromerzeugung und -versorgung fließen. Eon plant aktuell in Europa und Russland 17 neue Kohle- und Gas-Kraftwerke, davon 5 in Deutschland. Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen sollen die erneuerbaren Energien sein. Hier will der Konzern die vorgesehenen Investitionsmittel für den Zeitraum bis 2010 auf 6 Milliarden Euro verdoppeln.
manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und reuters
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