Von Simon Hage
mm.de: Herr Solmssen, Sie waren jahrelang Chefjustiziar in verschiedenen Bereichen des US-Konzerns General Electric
. Seit knapp fünf Monaten sind Sie nun Vorstand für Recht und Compliance bei Siemens
in München. War das eine kulturelle Umstellung für Sie?
Peter Y. Solmssen wurde 1955 in Philadelphia geboren. Er studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten in Harvard, Oxford und Pennsylvania. Nach ersten Berufsstationen in den USA ging er 1989 nach Frankfurt am Main zur Anwaltskanzlei Morgan, Lewis & Bockius. Dort war er zuständig für Wertpapierrecht, internationales Handelsrecht sowie Fusionen und Übernahmen. 1998 wurde Solmssen Chefjustiziar der Plastiksparte des US-Konzerns General Electric (GE). In gleicher Funktion fungierte er später in der GE-Medizintechnik, ehe Solmssen zu Siemens wechselte. Beim Münchener Konzern hat er seit Oktober 2007 den neu geschaffenen Vorstandsposten für Recht und Compliance (Einhaltung von Gesetzen und internen Richtlinien) inne. Außerdem betreut der 53-Jährige das Amerika-Geschäft.
mm.de: Bei Siemens hat in früheren Jahren die Führungskultur versagt, kritisierte Konzernchef Peter Löscher. Wie krempelt man einen 160 Jahre alten deutschen Traditionskonzern um, in dem die Zahlung von Schmiergeldern offenbar zur Geschäftspraxis gehörte?
Solmssen: Effizienz, Schnelligkeit und gute Ergebnisse kommen durch klar definierte Verantwortlichkeiten. Unsere neue Struktur sieht vor, dass es einen Chief Executive Officer (CEO) für jede einzelne Geschäftssparte gibt. Dieser ist für die Führungskultur in seinem Bereich zuständig. Diese Klarheit in der Verantwortung wird uns voranbringen. Außerdem soll es auf allen Ebenen Chief Financial Officers (CFOs) geben: Eine wichtige und international hoch angesehene Position, die bislang an manchen Stellen zu wenig Bedeutung hatte. Das gilt auch für die Funktion des General Counsels, also des Chefjustiziars.
mm.de: Stoßen Sie mit Reformen und Ermittlungen auf Widerstände im Unternehmen?
Solmssen: Von Widerständen würde ich nicht sprechen, eher von Neugier, aber auch Unsicherheiten und teilweise Ängsten. Das ist in Zeiten des Wandels nicht überraschend. Daraus ziehe ich den Schluss: You can never communicate enough! Wir Vorstände müssen intern unbedingt noch mehr kommunizieren.
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