Von Henrik Müller
Weitere Verstaatlichung droht
Denn das Hauptproblem ist nach wie vor: Wir investieren zu wenig in Deutschland. Die Unternehmen haben ihre Investitionen, so rechnet die Bundesbank vor, nach 1995 halbiert, erst seit 2006 erholen sich die Investitionen wieder, von sehr niedrigem Niveau aus; der Staat steckt seit Jahren so wenig in die Infrastruktur, dass der Werteverzehr (Abschreibungen) höher liegt; und auch die Bürger investieren weniger in ihr Humankapital als wünschenswert wäre.
In allen drei Sphären gibt es Anzeichen der Erholung, aber wir sind noch nicht über den Berg. Es ist Aufgabe der Eliten, die Bedingungen und die Stimmung für echtes Wachstum zu schaffen. Sparen ist in Krisensituationen nötig. Aber es ist keine nachhaltige Strategie.
Dies ist - zweitens - ein Plädoyer für eine vernünftige Verteilungspolitik. Die große Mehrheit muss am Wohlstandszuwachs teilhaben. Nicht alle in gleichem Maße, natürlich nicht. Aber wer etwas leistet, muss das auch finanziell spüren.
Wenn die Mehrheit wieder das Gefühl hat, zu profitieren, dann ist auch eine ungleichere Verteilung der Einkommen, die in Zukunft wohl unvermeidlich sein wird, leichter zu ertragen. Dann werden auch hohe Managergehälter irrelevant.
"A rising tide that lifts all the boats", wie John F. Kennedy einst formulierte - warum ist eine solche Verteilungspolitik vernünftig? Weil dem System sonst tatsächlich der Kollaps droht. Damit beschäftigen wir uns ausführlich in der aktuellen Titelgeschichte des manager magazin, Heft 03/2008, "Auf der Kippe".
Reise zurück in die Zukunft?
So viel ist klar: Wenn Unternehmen sich vornehmlich um den nächsten Deal kümmern, statt um dauerhaftes, echtes Wachstum, dann wird das System der Marktdemokratie ad absurdum geführt. Letztlich ist stabile Volksherrschaft ohne solide Volkswirtschaft auf Dauer nicht möglich.
Das Vertrauen schwindet - in die Marktwirtschaft, die Politik, in die Zukunft. Das Ergebnis: eine globale Krise der Demokratie. Lesen Sie mehr im manager magazin 03/2008 ab Seite 112.
InhaltWeitere Verstaatlichungen könnten folgen. Kandidaten sind die Betreiber von Infrastrukturdienstleistungen. Die Energiebranche beispielsweise, wenn sie nicht mehr in Energieerzeugung investiert. Sogar Einschränkung der internationalen Kapitalmobilität, um die Reichen besser besteuern zu können, sind denkbar.
Wo Eigenverantwortung versagt, wird die Freiheit entzogen. Wünschen kann sich das niemand. Aber ich fürchte, wir sind längst auf dem Weg dorthin.
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