Die älteste unabhängige Privatbank Deutschlands, das Bankhaus Metzler, gibt sich überaus dezent: Ein wertvolles Empire-Sofa im Entrée, Ölporträts der Familie an den Wänden, livrierte Diener auf den Gängen - Tradition pur.
Am gestrigen Montag allerdings, um zehn Uhr in der Früh, war es plötzlich mit der Ruhe vorbei. Vor dem klassizistischen Gebäude in der Frankfurter Großen Gallusstraße sammelten sich zehn Steuerfahnder und begehrten energisch Einlass. Auch in der Münchener Geschäftsstelle erschienen zeitgleich zehn weitere Beamte.
Selbstverständlich habe man die Steuerfahnder empfangen und ihnen Auskunft erteilt, erklärt ein Sprecher des Bankhauses Metzler gegenüber manager-magazin.de. Die Fahnder hätten sich das Computersystem der Bank erklären lassen sowie Daten und Verträge von bestimmten Kunden eingesehen.
Konten in Frankfurt und in Liechtenstein
Offenbar handelt es sich um Personen, deren Namen auf der DVD stehen, die deutsche Behörden für angeblich fünf Millionen Euro von einem Informanten erworben hatte und die verdächtigt werden, über das Fürstentum Liechtenstein Steuern hinterzogen zu haben. Diese Kunden haben offenbar sowohl in Lichtenstein als auch beim Bankhaus Metzler, das über keine Geschäftstellen im Ausland verfügt, ein Konto.
Ob das Bankhaus Metzler Zeuge oder Beschuldigter sei - also verdächtigt werde, aktiv an der Steuerhinterziehung mitgewirkt zu haben – wollte der Sprecher zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Angeblich haben die Fahnder jedoch keine Hinweise gefunden, dass die noble Privatbank bewusst an der Steuerhinterziehung ihrer Kunden mitgewirkt habe. Und dass die Kunden sowohl in Frankfurt als auch in Lichtenstein Konten haben, ist natürlich nicht strafbar.
Um vier Uhr nachmittags seien die Beamten dann wieder gegangen und hätten ein Protokoll hinterlassen, meinte der Metzler-Sprecher. Ob es noch zu weiteren Durchsuchungen in seinem Hause kommen werde, konnte er nicht sagen. Zunächst warte man das Ergebnis des gestrigen Einsatzes ab.
Ähnliche Untersuchungen im Zuge der Steueraffäre hat es am Montag auch bei der Münchener Niederlassung der Privatbank Hauck und Aufhäuser sowie der Dresdner Bank gegeben.
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