Von Kai Lange
Hamburg - Die gute Nachricht zuerst: Die Rezession in den USA wird kommen. Wenn sie nicht schon begonnen hat, wird die amerikanische Wirtschaft spätestens im zweiten und dritten Quartal schrumpfen - und damit endlich dafür sorgen, dass noch mehr Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Nach Jahren des ärgerlichen Konjunkturbooms und des absurd billigen Geldes brechen damit die guten Zeiten wieder an.
So lautete die Ausgangshypothese jener zahlungskräftigen Investoren, die sich Anfang Februar in New York zur Konferenz mit dem Thema "Leadership in Distressed Markets" versammelt haben. Dass die Finanzmärkte seit dem Ausufern der Kreditkrise von Gier auf Angst umgestellt haben, ist bekannt. Doch nun geht es darum, in Zeiten von Not und Bedrängnis zu den größten Profiteuren zu gehören. Und alle wollen dabei sein.
Das Rezept: Notleidende Kredite (Distressed Debts) möglichst billig aufkaufen und verwerten. Erholt sich das angeschlagene Unternehmen und kann es seine Schulden zum Nennwert zurückzahlen, hat der Schuldenkäufer einen guten Schnitt gemacht - schließlich hat er die Schuldtitel mit einem kräftigen Abschlag erworben, im besten Fall sogar von einem aus der Not getriebenen "fire sale" profitiert.
Zwingt eine Verschärfung der Krise jedoch ein verschuldetes Unternehmen dazu, sich neu aufzustellen, gelangen die Gläubiger oft an die Hebel der Macht: Häufig wandeln sie dann die Verbindlichkeiten in Beteiligungen um (Debt to Equity Swap) und werden auf diese Weise zu Anteilseignern des Unternehmens. Gelingt die anschließende Sanierung, klingelt bei den Schuldenaufkäufern die Kasse.
Dieses hochspekulative Geschäft war früher den sogenannten Geierfonds vorbehalten, die sich auf die Resteverwertung nach dem Platzen einer Blase spezialisiert haben. Doch sie haben inzwischen Gesellschaft bekommen - was die Risiken erhöht und die Aufräumarbeiten nach dem Crash vielfach erschwert.
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