Von Henrik Müller
mm.de: Die Rolle des Euro als internationale Währung nimmt zu. Ist das Euro-Gebiet auf diese Entwicklung vorbereitet?
Remsperger: Im Euro-System wird keine Politik betrieben, die speziell darauf ausgerichtet wäre, den Prozess der zunehmenden internationalen Rolle des Euro zu fördern oder umgekehrt zu behindern.
"Vertrauen in die Wertbeständigkeit": Bundesbank-Chefvolkswirt Remsperger fühlt sich durch die steigende internationale Verbreitung des Euro im Kurs der europäischen Geldpolitik bestätigt. Dauerhaft niedrige Inflationsraten einer Währung seien eine "wesentliche Voraussetzung für ihre internationale Attraktivität und Akzeptanz. Das zeigt auch die jahrzehntelange Erfahrung mit der D-Mark".
Der Euro-Raum wächst, und sehr viele Länder nutzen den Euro als Anker für ihre eigene Währung. Darüber hinaus schreitet die Integration der Finanzmärkte im Euro-Gebiet gut voran und bei alldem verfolgt der EZB-Rat auch unter schwierigen Bedingungen einen stabilitätsorientierten Kurs. Wenn man diese Punkte bedenkt, überrascht es wohl nicht, dass sich der Euro nach dem Dollar als zweitwichtigste internationale Währung etabliert hat. Beim Anteilsgewinn des Euro an den internationalen Devisenreserven seit Ende 2000 ist hier allerdings auch zu berücksichtigen, dass dieser Zuwachs zu einem großen Teil auf Wechselkursveränderungen zurückging.
Remsperger: Vertrauen in die Wertbeständigkeit einer Währung ist eine wesentliche Voraussetzung für ihre internationale Attraktivität und Akzeptanz. Das zeigt auch die jahrzehntelange Erfahrung mit der D-Mark.
mm.de: Wenn der Euro-Raum zunehmend als sicherer Hafen für internationales Kapital gesehen wird, dürfte dies für sich genommen zu höheren Bewertungen an den europäischen Assetmärkten führen, womöglich zur Bildung von Blasen. Hätte eine stärkere internationale Nutzung des Euro also tendenziell destabilisierende Effekte auf die Wirtschaft des Euro-Gebiets?
Remsperger: Nein. Meines Erachtens wirkt die gemeinsame Währung auf die Wirtschaft für sich genommen stabilisierend und nicht destabilisierend. Entscheidend ist, dass die Anpassungsprozesse nicht abrupt, sondern in geordneten Bahnen graduell verlaufen.
© manager magazin online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH