Düsseldorf - Bei einem außerordentlichen Eigentümertreffen am Sonntagabend soll dem Vernehmen nach darüber gesprochen werden, wer sich in welchem Umfang an der Kapitalerhöhung beteiligt.
Über die Lastenverteilung zeichnet sich ein heftiges Tauziehen ab. Aus den Reihen der Sparkassen war bereits darauf verwiesen worden, dass sie in den vergangenen Jahren die Hauptlast des Kapitalbedarfs der einst größten deutschen Landesbank getragen haben. Im Landeshaushalt 2008 von Nordrhein- Westfalen sind keine Gelder für eine Kapitalerhöhung reserviert. Deshalb gilt ein Nachtragshaushalt als wahrscheinlich. Eine andere Variante wäre, private Investoren für eine Beteiligung an der WestLB zu gewinnen. Dagegen hatten sich die Sparkassenverbände in der Vergangenheit gesträubt.
Die WestLB will unterdessen nach einem Bericht der "Rheinischen Post" (Montagausgabe) kurzfristig 2000 Arbeitsplätze streichen. Je 1000 sollten im In- und Ausland abgebaut werden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Eigentümerkreise.
Die drittgrößte deutsche Landesbank ist durch umfangreiche Fehlspekulationen mit einem Schaden von mehr als 600 Millionen Euro geschwächt. Hinzu kommen die Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise. Der Düsseldorfer Bankkonzern ist deshalb in die Verlustzone gerutscht.
Größter Einzelaktionär der WestLB AG ist das Land Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von direkt und indirekt rund 38 Prozent. Die Aktienmehrheit halten zusammengenommen die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen. Zudem sind kommunale Landschaftsverbände an der WestLB beteiligt.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wollte sich am Samstag nicht zu Zahlen äußern. Nach Informationen des "Kölner Stadt- Anzeigers" müsse die Bank für 2007 eine Wertberichtigung von bis zu einer Milliarde Euro vornehmen. Die "Rheinische Post" schrieb, der Verlust aus den Geschäften mit den wackligen amerikanischen Hypothekenkrediten dürfte sogar deutlich mehr als eine Milliarde Euro betragen.
In Eigentümerkreisen hieß es dazu, dass die Wertberichtigungen auf bis zu 1,2 Milliarden Euro steigen könnten. Dies stehe jedoch noch nicht fest und hänge von Bewertungsfragen ab. Die Bank beginne derzeit mit ihrem Jahresabschluss. Ein WestLB-Sprecher wollte sich nicht zu den Medienberichten äußern.
Der WestLB-Konzern hatte in den ersten neun Monaten 2007 unter dem Strich einen Verlust von 148 Millionen Euro verbucht. Die Krise der Kapitalmärkte hatte das WestLB-Ergebnis in den ersten neun Monaten mit 355 Millionen Euro belastet. Für das Gesamtjahr 2007 sei mit einem Verlust vor Steuern im niedrigen dreistelligen Millionen- Bereich zu rechnen, hatte der Vorstand bei der Zahlenbekanntgabe im Dezember erklärt. Die WestLB soll unabhängig von einer möglichen Fusion mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) neu aufgestellt werden. Neben einer Kapitalerhöhung zeichnet sich ein Stellenabbau ab. Der WestLB-Konzern hat weltweit rund 5900 Mitarbeiter.
Ein Kapitalbedarf könnte sich aus mehreren Gründen ergeben. Die WestLB hatte - wie andere Banken auch - Zweckgesellschaften aufgebaut, die außerhalb der Bilanz stehen. Die Bank prüft eine Konsolidierung dieser Gesellschaften, deren Volumen sich nach früheren Berichten auf etwa 13 Milliarden Dollar belaufen soll. Dieser Schritt gilt als wahrscheinlich. Durch eine Aufnahme könnten sich theoretisch die Bilanzrelationen verschieben und zusätzliches Eigenkapital erforderlich machen. Ein anderer Punkt wären höhere Wertberichtigungen mit der Folge höherer Verluste. Außerdem könnte die WestLB frisches Kapital für mögliche Zukäufe benötigen.
manager-magazin.de mit Material von dpa
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