Nokia schließt die Bochumer Fabrik und setzt auf Niedriglöhne in Rumänien. Die Erfahrungen westlicher Investoren aber zeigen, dass Standortverlagerungen kein Selbstläufer sind. Womöglich überschätzt Nokia die Kostenvorteile, schreibt Unternehmensberater Johannes Book. Der Rumänien-Kenner schließt auch andere Motive nicht aus.
Hamburg - Der Handyhersteller Nokia
hat angekündigt, seine Fabrik in Bochum zu schließen und nach Rumänien zu verlagern. An dieser Entscheidung gab es scharfe Kritik vonseiten der Gewerkschaften und der Politik. Sich zuerst ein Werk "sponsern" zu lassen, um sich dann sobald als möglich aus dem Staub zu machen, ruft Empörung hervor. Doch es herrschen die Gesetze der Globalisierung. Und dies ist auch nicht mit Emotionen zu ändern.
"Nokia Village" in Rumänien: Der finnische Handykonzern will hier bis zu 4000 Arbeitsplätze schaffen. Doch rechnet sich das Projekt? Zweifel sind angebracht, sagen Experten.
Doch sind die benötigten Arbeitskräfte vor Ort auch wirklich zu den Kosten verfügbar? Und sind in der Kalkulation auch alle Zusatzkosten berücksichtigt? Wie sieht der Vergleich Cluj-Bochum bei einer kritischen Analyse aus?
Cluj hat zwar eine bekannte Hochschule und einige kleine Elektrobetriebe, aber wohl kaum 3000 bis 4000 verfügbare Arbeitskräfte, die wissen, wie man ein Handy baut. Also wird Nokia überwiegend unqualifizierte Arbeitskräfte einstellen und ausbilden müssen.
Schon Conti machte bittere Erfahrungen in Rumänien
In dieser Hinsicht haben viele internationale Unternehmen in den vergangenen Jahren bittere Erfahrungen gerade in Rumänien gemacht. So kann die Continental AG mit ihrem Werk in Timisoara ein Lied davon singen, wie es ist, permanent Menschen auszubilden. Nach der innerbetrieblichen Schulung konnte das Unternehmen diese nämlich kaum halten. Aufgrund der gestiegenen Qualifikation und der guten Referenz bei Conti, war es ein Leichtes für sie, einen neuen und besser bezahlten Job zu bekommen.
Doch nicht nur Jobhopping ist als Karriere- und Gehaltsbeschleuniger bei den jungen Rumänen beliebt. Nach wie vor sehen die meisten ihre Zukunft im Ausland. Warum soll man für 600 Euro in einer Region mit schlechter Infrastruktur arbeiten, wenn man mindestens das Vier- bis Fünffache in einem westlichen Industrieland verdienen kann?
Den Trainingsaufenthalt in Hannover nutzen nicht wenige rumänische Conti-Kräfte, um sich gleich hier für einen neuen Job zu bewerben. Besonders leicht war dies bei den innerbetrieblichen Jobangeboten des Konzerns.
Jobhopping und Auswanderbewegung
In den 90er Jahren konnten Textilunternehmen die Lohnkosten in Rumänien nutzen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Globalisierung nutzt nämlich nicht nur den Firmen, sondern auch den Arbeitskräften.
Es gibt kein anderes Land in Europa, das eine so starke Abwanderung von jungen qualifizierten Arbeitskräften erlebt hat wie Rumänien. Nahezu vier Millionen Rumänen arbeiten mittlerweile im Ausland. Das sind bei 22 Millionen Einwohnern rund 20 Prozent der Bevölkerung. Der überwiegende Teil davon arbeitet in Italien, Spanien und England. Bei der geplanten vollständigen Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts ab 2011 ist mit einer weiteren Verschärfung der Auswanderungsbewegung zu rechnen.
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