Von Helmut Reich
Hamburg - Externe Finanzinvestoren, die Funktion eines Sportdirektors und bezahlte Präsidenten - das sind nur einige der aktuellen Diskussionsthemen rund um den Fußball. Mit der Vorgabe "Jetzt spricht der Fan" hat Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen in der Studie "Bundesliga-Vereine 2.0" zentrale Thesen formuliert. Diese wurden Fußballfans in einer Online-Befragung vorgelegt. "In den Medien melden sich in der Regel ja nur die Experten zu Wort - wir waren daran interessiert, wie der normale Fan die Zukunft der Bundesligavereine sieht", so der Initiator der Studie.
Unter dem Strich stehen laut Kollmann "erstaunlich progressive und niveauvolle Aussagen", die beweisen, dass sich der Fan nicht nur um Tore, Punkte und den Tabellenstand seines Vereins Gedanken macht. Als ein Hauptergebnis der Studie befürworten die Anhänger die Bezahlung von Präsidenten an der Spitze von Profivereinen - 53 Prozent der Befragten stimmten dafür.
Auf das Konzept eines reinen Sportdirektors und damit die Zweiteilung von wirtschaftlicher und sportlicher Führung setzen 62 Prozent der Fans. Nur noch 28 Prozent halten dagegen an dem Konzept des klassischen Managers als Allrounder fest. Fannähe ist dagegen weiter gefragt - lediglich 19 Prozent der Anhänger befürworten eine komplette Abschirmung des Trainingsgeländes zur Durchführung "ruhiger Trainingseinheiten" ohne Öffentlichkeit.
Kommerzialisierung des Fußballs: Die Mehrheit der Befragten befürwortet die Bezahlung der Präsidenten
Alternativen zu einem externen Finanzinvestor
Am interessantesten war sicher die in der Öffentlichkeit heiß diskutierte Frage nach einem externen Finanzinvestor, wie vor allem im europäischen Ausland immer häufiger praktiziert. 28 Prozent der Befragten forderten dessen Einbeziehung, um finanzielle Ungleichgewichte zu schließen. Die Mehrheit favorisiert es dagegen, höhere Einnahmen über den sportlichen Erfolg oder durch Transfererlöse infolge einer guten Jugendarbeit zu erzielen.
Die Umfrageergebnisse geben nur ein Stimmungsbild ab, repräsentativ sind sie nicht, da sich pro Frage jeweils lediglich 110 bis 228 Fans des Online-Spiels "Virtual Kicker League" beteiligten. "Es kann jedoch von einer statistischen Tragfähigkeit ausgegangen werden", so Kollmann, der in seiner Studie auch von einer hohen Deckungsgleichheit zwischen Online- und Offline-Fan ausgeht. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer des Online-Spiels liegt jedoch bei etwa 25 Jahren, die Meinung älterer und eher traditionsbewußterer Fußballanhänger mit weniger ausgeprägtem Hang zu Online-Spielen dürfte kaum vorkommen.
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