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18.12.2007
 

Weltbank

In Osteuropa entstehen Steuerparadiese

Von Dmitri Amiian

Steuersenkungen und Vereinfachungen des Steuersystems erhöhen die Staatseinnahmen. So das Ergebnis einer großangelegten Studie der Weltbank. Die besten Steuerreformer finden sich in Osteuropa und Zentralasien. Deutschland rangiert im internationalen Vergleich im Mittelfeld.

Hamburg - Am 19. September dieses Jahres beschloss das tschechische Parlament eine Reduzierung der Körperschaftsteuer bis 2009 auf 19 Prozent. Das ist die vierte Steuersenkung in Tschechien seit 2004. Vor drei Jahren betrug der Körperschaftsteuersatz in Prag noch stolze 28 Prozent. Jetzt liegt er bereits bei 24 Prozent. Das Ziel ist eine 15-prozentige Einheitssteuer auf Unternehmen und Personen bis 2012.

Grund zum Feiern: Tschechien ist dabei, zu einem der steuerlich attraktiveren Standorte zu werden
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DPA

Grund zum Feiern: Tschechien ist dabei, zu einem der steuerlich attraktiveren Standorte zu werden

Das ist nur ein Beispiel, es zeigt aber den Trend: Das Steuernzahlen ist in den vergangenen drei Jahren weltweit einfacher geworden. 65 Länder haben in dieser Zeit ihre Steuergesetze vereinfacht und die Steuerlast der Unternehmen erleichtert.

"Die Reduzierung der Fiskallast war in diesem Jahr die zweitpopulärste Reform im Bereich Businessregulierung", sagt Rita Ramalho, Steuerexpertin der Weltbank. Von einer solchen Steuerreform profitieren beide Seiten: Die Unternehmen werden entlastet, und der Fiskus hat eine erweiterte Steuerbasis. Dafür sorgen steigende Investitionen, neue Unternehmensgründungen und ein schnelleres Wirtschaftswachstum, so Ramalho weiter.

Zu diesem Ergebnis kommt ihre Studie "Paying Taxes: The Global Picture". Die Studie wird von der Weltbank und der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) jährlich durchgeführt und ermöglicht einen direkten Vergleich der Steuersysteme von 178 Ländern. Die aktuelle Untersuchung kürt Osteuropa und Zentralasien zu den Top-Steuerreformern. Dort verordneten Regierungen der Wirtschaft eine radikale Steuerentlastung und waren mit dieser Politik sehr erfolgreich. So erhöhten sich die Haushaltseinnahmen Tschechiens bereits nach der ersten Steuersenkung um 2 Prozent.

Auch Estland, die Slowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und Russland haben inzwischen ihre Steuersysteme verschlankt und Unternehmen entlastet. Der Weltmeister 2006/07 war aber nach Auffassung der Weltbank Bulgarien. Es setzte die Körperschaftsteuer von 15 auf zehn und den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung des Arbeitnehmers um ganze 7 Prozent herab.

Das Beispiel macht Schule. Ein heißer Favorit für die nächste Steuer-WM kommt auch aus der Region: Moldawien will 2008 seine Körperschaftsteuer von derzeit 15 auf 0 Prozent bringen.

Der Hauptantrieb dieses Steuersinkfluges in Osteuropa ist der Beitritt zur EU. Die neuen Mitglieder und potenziellen Kandidaten wollen für westliche Investoren attraktiver werden. Die westeuropäischen Länder müssen nachziehen, um als Standort konkurrenzfähig zu bleiben. Die Niederlande schraubten ihre Körperschaftsteuer von 31,5 in 2005 auf 25,5 Prozent in 2007 herab und führten eine Online-Anmeldung für Sozialabgaben ein. Griechenland, Spanien und Portugal haben ihre Steuern ebenfalls drastisch reduziert. Ab 2008 ist auch Deutschland dabei: Die Körperschaftsteuer soll dann nach dem Willen der Regierung von derzeit 25 auf 15 Prozent sinken.

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