Von Lutz Reiche
Hamburg - Jene, die ihn sehr gut zu kennen glauben, sagen: "Der Maschmeyer ist amtsmüde. Jetzt hat er seinen Ausweg gefunden." Verwundern dürfte das nicht. Der Gründer des Finanzvertriebes AWD
hält seit gut zwei Jahrzehnten die Zügel in der Hand. Das Umfeld wird immer schwieriger. Gesetze nehmen Finanzvertriebe und ihre Berater zusehends an die kurze Leine. Die Konkurrenz wird immer härter, neue Wettbewerber drängen auf den Markt. Nennenswertes Wachstum im Inland ist kaum noch zu erzielen. Was läge da näher, als sich einem starken Partner anzudienen? Carsten Maschmeyer hat es getan. "Sein" Unternehmen begibt sich unter das Dach der Swiss Life
und riskiert damit den Ruf als unabhängiger Finanzdienstleister.
Die offizielle Lesart ist natürlich eine andere. Zwar trennt sich die Familie Maschmeyer von einem Großteil ihrer Aktien. Der Leistungssportler und Mittelstreckenläufer Maschmeyer bleibt aber für fünf Jahre weiter an der Spitze, AWD in seiner Struktur unangetastet und weiter börsennotiert.
"Damit ist die Kontinuität in der Führung und eine erfolgreiche Weiterentwicklung von AWD gewährleistet", sagt Ralf Dörig, Chef der Swiss-Life-Konzernleitung. Maschmeyer selbst spricht von einem "starken Partner, der uns beim Erreichen unserer ehrgeizigen Wachstumsziele auch außerhalb von Deutschland unterstützt". Und selbstverständlich werde AWD sein "bewährtes, unabhängiges Beratungskonzept" beibehalten.
Vor wenigen Wochen noch hatte der Hannoveraner Finanzdienstleister von einem erheblichen Vorteil für Berater und Kunden gesprochen, dass sich bislang kein Produktpartner maßgeblich an AWD beteiligt habe. Nicht zuletzt der Konzerchef selbst hatte seine Bindung als Aktionär betont. Jetzt befürwortet die Familie Maschmeyer eine Übernahme durch die Schweizer.
AWD führte offenbar schon mehrfach Fusionsgesspräche
Fakt ist, Maschmeyer hat sich in der Vergangenheit sukzessive von AWD-Anteilen getrennt. Insider berichten im Gespräch mit manager-magazin.de darüber hinaus, dass AWD in den vergangenen Jahren immer wieder Gespräche über eine mögliche Fusion oder zumindest sehr enge Partnerschaft geführt habe. Dem Vernehmen nach gehörte die Schweizer UBS
dazu und zuletzt auch der unmittelbare Konkurrent MLP
. Der Heidelberger Finanzkonzern, der sich mit der Feri-Übernahme als Edelmarke und Ansprechpartner für vermögende Kunden etablieren will, habe die Gespräche aber abgebrochen. "Die Unternehmenskulturen sind einfach zu unterschiedlich. Eine Fusion hätte auch keinen Mehrwert gebracht", sagt ein Insider.
Gleichwohl spielten die Investoren an der Börse am Montag erneut die Übernahmekarte: Der Kurs von MLP kletterte in der Spitze um knapp 20 Prozent. "MLP ist das nächste Übernahmeobjekt", hieß es in Frankfurt. Aus der MLP-Zentrale verlautete dazu lediglich, man führe keine Gespräche, die geplante AWD-Übernahme tangiere die Heidelberger nicht.
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