02.11.2007
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Übernahmen

Deutschland kann auch anders

Von Kai Lange

4. Teil: Mehr Angst vor Holland als vor China?

"Wir profitieren von offenen Märkten"

"Deutschland profitiert seit Langem von offenen Märkten, und deutsche Unternehmen halten selbst viele Beteiligungen im Ausland", sagt Werner Suhl, Leiter des M&A-Bereichs bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Angesichts der immer komplexeren Beteiligungsverhältnisse dürfte es in Zukunft auch immer schwieriger werden, den Einfluss ausländischer Investoren im Detail nachzuvollziehen und zu kontrollieren.

Es sei nachvollziehbar und folge den Gesetzen des freien Marktes, dass Investoren für ihre riesigen Petrodollar- oder Devisenreserven entsprechende Anlagemöglichkeiten suchen - auch in den alten Industrieländern.

Trotz der wachsenden Einkaufsmacht ausländischer Staatsfonds besteht für Deutschland aber noch kein Grund zur Panik. Die Direktinvestitionen der betreffenden Staaten in der Bundesrepublik halten sich nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) noch in Grenzen: Im Jahr 2005 zum Beispiel betrug der Anteil russischen Kapitals mit 791 Millionen Euro gerade einmal 0,2 Prozent an allen ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland, so das IW. Der Anteil von China sei mit 189 Millionen Euro sogar unter der Marke von 0,1 Prozent geblieben.

Mehr Angst vor Holland als vor China?

Dagegen hatte Deutschlands Nachbar Niederlande, die mit Unternehmen wie Shell, Philips oder Fortis auf dem Deutschen Markt vertreten sind, mit 84 Milliarden Euro einen Anteil von knapp 22 Prozent an den ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland. Es folgten Luxemburg mit 51 Milliarden Euro (13 Prozent) und die USA mit 44 Milliarden Euro (11,5 Prozent): Fast jeder zweite Euro, der im Jahr 2005 in Form ausländischer Direktinvestitionen nach Deutschland floss, kam aus diesen drei Ländern. Dennoch sah niemand einen Anlass, sich vor der steigenden Marktmacht der Niederlande, Luxemburg oder der USA zu fürchten.

Der Einfluss der Länder aus dem Fernen und Mittleren Osten dürfte zwar, von einer geringen Basis ausgehend, deutlich zunehmen. So investierte etwa das chinesische Unternehmen LinkGlobal Logistics im Sommer 2006 30 Millionen Euro für die Übernahme des Frachtflughafens Parchim - und schuf damit nebenbei Arbeitsplätze in der Region Mecklenburg-Vorpommern. Bezogen auf die aktuelle Summe der Direktinvestitionen in Deutschland bliebe der Anteil der Staatsfonds aus den Schwellenländern voraussichtlich unter 10 Prozent - von einem Ausverkauf an Ölmultis kann man daher nicht sprechen.

Mit Ländern wie Kuwait oder den Arabischen Emiraten pflegt die Bundesrepublik ohnehin beste Handelsbeziehungen und lässt auch größere Beteiligungen zu. Umso spannender wird die Frage, in welchen konkreten Fällen die Bundesrepublik ihre neue Abwehrwaffe tatsächlich zücken wird. Dabei steht auch für den Investitionsstandort Deutschland viel auf dem Spiel.

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