Im Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen schlagen die Betriebsräte jetzt offen aufeinander ein. VW-Mann Bernd Osterloh fühlt sich von seinem Kontrahenten Uwe Hück "verraten". Der gelernte Thai-Boxer keilt zurück. Letztlich geht es um Macht und Mitsprache in dem künftigen Gesamtkonzern.
Wolfsburg/Stuttgart - Ring frei bei Porsche
und Volkswagen
. In der einen Ecke: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, einst zweifacher Europameister im Thai-Boxen. Ihm gegenüber: Bernd Osterloh, als Betriebsratsvorsitzender ein Schwergewicht im Volkswagen-Konzern. Die beiden Haudegen liegen mächtig im Clinch. Bei dem offenen Schlagabtausch geht es um Macht und Einfluss in einem künftigen Porsche/VW-Großkonzern, der nach dem erwarteten Kippen des VW-Gesetzes am 23. Oktober durch das höchste EU-Gericht Realität werden dürfte. Sowohl Hück als auch Osterloh haben verbal bereits mächtig ausgeteilt - wer am Ende welche Blessuren davonträgt, ist offen.
Zur Vorgeschichte: Ende Juni beschloss Porsche als neue Unternehmensstruktur die Porsche Automobil Holding SE, eine Aktiengesellschaft europäischen Rechts mit Sitz in Stuttgart. Falls der Sportwagenbauer seine VW-Beteiligung von derzeit knapp 31 Prozent auf mehr als 50 Prozent aufstockt, wäre VW eine Tochtergesellschaft der Porsche Holding. Rein rechtlich kann für eine europäische Aktiengesellschaft eine neue Mitbestimmungsvereinbarung ausgehandelt werden - was das Porsche-Management um Vorstandschef Wendelin Wiedeking sowie Betriebsrat und IG Metall-Vertreter prompt taten.
Osterloh spricht von "Kollegen erster und zweiter Klasse"
Das Ergebnis aber war für Osterloh ein "Schlag ins Gesicht". Die Mitbestimmungsvereinbarung gehe zulasten der VW-Belegschaft. Künftig hätten die Stimmen der 12.000 Porsche-Mitarbeiter genauso viel Gewicht wie die der 324.000 VW-Beschäftigten, monierte Osterloh in einem "Brandbrief" an die Belegschaft. Das Vorgehen Wiedekings stehe dem Demokratieprinzip der sozialen Marktwirtschaft und der von Hück "gelobten deutschen Mitbestimmung" zutiefst entgegen.
Osterloh setzte noch einen Haken: "Wenn man die Vorzüge, die Porsche-Chef Wiedeking den Porsche-Arbeitnehmern gewährt, betrachtet, dann wären wir demnächst Kollegen erster und zweiter Klasse." Die 12.000 Porsche-Beschäftigten hätten ein Veto-Recht bei der Kündigung der Mitbestimmungsvereinbarung. "Wenn 324.000 Kollegen im VW-Konzern den Vertrag für schlecht halten, können sie an einer Neuverhandlung durch eine Minderheit von Porsche-Betriebsräten gehindert werden." Sogar vor einem möglichen Jobabbau bei VW und Werksschließungen warnte Osterloh bereits.
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