Von Karsten Stumm
3. Teil: Veraltete Gerätschaften dank Wehrpflicht
Veraltete Gerätschaften dank Wehrpflicht
"Jedes andere und bessere Ergebnis für die Bundeswehr wäre auch erstaunlich", gibt ein ehemaliger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums hinter vorgehaltener Hand zu. "Weil Wehrpflicht das Verteidigungsministerium wenig, aber die Betroffenen viel kostete, hat der Bund in der Vergangenheit so viele Wehrpflichtige wie möglich eingesetzt." Entstanden ist so eine Armee zulasten der Ressource Mensch. Das Ergebnis dieses "Overmannings", wie es die Experten nennen, ist nicht nur teuer. Es kann auch gefährlich werden.
Die Bundeswehr hat ihre Investitionen ins Gerät über bald 50 Jahre klein gehalten, weil das Materialdefizit durch zusätzlich einberufene Wehrpflichtige ausgeglichen werden konnte. Nicht zuletzt aufgrund der Wehrpflicht leidet Deutschlands Armee deshalb unter einem gewaltigen Investitionsstau und teils altertümlichem Gerät.
"Schauen Sie sich Deutschlands Luftwaffe an. Die hatte jahrelang noch Starfighter-Flugzeuge der 60er Jahre im Bestand", sagt Professor Schäfer. "Die haben die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt nur noch bei Schießübungen eingesetzt. Als Ziele."
Im Wehretat muss Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) daher mehr und mehr Platz für Waffenkäufe schaffen. Nur: Je mehr Deutschlands Militär mit Hightech-Gerät aufgerüstet wird, "desto weniger kann die Wehraufgabe von Männern mit neun- und zwölfmonatiger Wehrpflicht erfüllt werden", prophezeit selbst der wissenschaftliche Dienst des Bundestags. Denn die teuren und modernen Waffen sind oftmals nicht ohne Weiteres zu bedienen. Die Soldaten brauchen Zeit, bis sie mit ihnen wirklich vernünftig klarkommen. Die kurze Wehrdienstzeit reicht dafür oft nicht.
Auch nach einem halben Jahrhundert soll der Zwangsdienst deshalb nicht ins Wanken geraten. Koste es, was es wolle.
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