23.08.2007
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Bundeswehr

Verschossen in die Wehrpflicht

Von Karsten Stumm

Überzeugte Anhänger der Wehrpflicht sträuben sich mit Händen und Füßen dagegen, den Zwangsdienst abzuschaffen. Der aber kostet die Bundesrepublik jedes Jahr aufs Neue überflüssige Milliarden, sagen Insider - und fordern den sofortigen Wehrdienststopp. Die Kenner sind die Wissenschaftler der Bundeswehr selbst.

Düsseldorf - Gerät die Wehrpflicht ins Wanken? Nach mehr als 50 Jahren? Plötzlich wollen zumindest die Sozialdemokraten den Zwangsdienst abschaffen, doch die CDU hält prompt dagegen: "Das ist mit den Christdemokraten nicht zu machen", fuhr der CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden der SPD sofort in die Parade. Dabei kann sich die Bundesrepublik den Wehrdienst gar nicht leisten. Er ist zu teuer. Doch bis heute will kaum jemand die Milliardensummen wahrhaben, die der Bund seinen Bürgern mit der Wehrpflicht tatsächlich aufbürdet.

Teure Wehrpflicht: Kostennachteile gegenüber einer Berufsarmee ermittelt
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DPA

Teure Wehrpflicht: Kostennachteile gegenüber einer Berufsarmee ermittelt

"Die wahren Kosten der Bundeswehr fallen im offiziellen Militärbudget unter den Tisch", sagt Wolf Schäfer, Professor an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Der Volkswirt hat nachgerechnet: "Alle Belastungen aus der Wehrpflicht eingerechnet, müsste Deutschlands Verteidigungshaushalt von derzeit rund 28 Milliarden Euro um 18 bis 20 Prozent höher ausfallen als er offiziell ausgewiesen wird", schätzt Schäfer.

Nicht aufgeführt würden insbesondere jene volkswirtschaftlichen Alternativkosten, die speziell Wehrpflichtarmeen verursachen. Dazu gehört etwa der Zwangsverzicht der Rekruten auf einen anständig bezahlten zivilen Job. Die Mindereinnahmen der jungen Männer summieren sich im Laufe ihrer Dienstzeit auf durchschnittlich 90.000 Euro pro Wehrpflichtigem, haben Experten ausgerechnet - entgangene Ansprüche gegen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung eingerechnet.

Während ihrer Wehrdienstzeit werden sie dann auch noch mit mickrig wenigen Euro abgespeist: "Mit der gegenwärtigen Besoldung ist kein junger Mann zufrieden", gibt Andreas Ahammer zu, Vorstand im Bundeswehrverband.

Die Bundesrepublik schlägt so Jahr für Jahr Hunderte Millionen Euro ziviler Wertschöpfung in den Wind, von denen den Deutschen zumindest ein Teil als Steuereinnahme zugute kommen würde. Stattdessen schröpft der Bund die Wehrpflichtigen weiter. "Die Differenz zwischen dem mickrigen Wehrsold und den üblichen Marktlöhnen ist nichts anderes als eine verdeckte Einkommensteuer, die den jungen Wehrpflichtigen zusätzlich auf die Rechnung geschlagen wird", sagt Harald Trabold, Professor an der Fachhochschule Osnabrück.

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