Von Arvid Kaiser
mm.de: Wie man hört, besitzen Sie selbst ein Loft in New York.
Roubini: Ja, ich habe mir vor ein paar Jahren eine Wohnung gekauft.
mm.de: Haben Sie schon über Verkaufen nachgedacht?
Roubini: Für mich ist das kein Investment, sondern mein Zuhause. Die Mehrheit der Hauskäufer ist immer noch mit festen Zinsen und Rücklagen abgesichert. Nur manche haben sich Immobilien zur Spekulation zugelegt, die sogenannten Condo Flippers. Diejenigen, die wenig anderes Kapital haben, verkaufen jetzt, weil die Hauspreise fallen. Das ist einer der Gründe, warum das Überangebot weiter wächst und die Hauspreise noch weiter fallen werden. Ich selbst muss mir aber keine Sorgen machen.
mm.de: Verfolgen Sie, wie sich der Marktwert Ihres Appartments entwickelt?
Roubini: Nicht regelmäßig. Das ist vor allem für diejenigen ein Thema, die nicht nur eine Hypothek hatten, sondern bei steigenden Hauspreisen auch noch zusätzlich Geld geliehen haben, in sogenannten Home Equity Withdrawals. Sie haben ihr Haus als Geldautomat benutzt. Damit konnten sie noch mehr ausgeben, was zu negativen Sparraten führte. Sie konsumierten mehr als ihr Einkommen.
mm.de: Ökonomen warnen seit Jahren davor, dass die USA insgesamt über ihren Verhältnissen leben. Wenn es jetzt einen Zwang zum Sparen gibt, könnte das nicht helfen, die globalen Ungleichgewichte zu verringern?
Roubini: Das könnte es, im wörtlichen Sinn. Es gibt aber verschiedene Wege, die Ungleichgewichte abzubauen. Ein dramatischer Absturz der wirtschaftlichen Aktivität in einer Rezession führt dazu, dass Importe abnehmen und sich die Handelsbilanz verbessert. Das wäre aber eine chaotische Art der Lösung.
Besser wäre es, die US-Wirtschaft könnte mehr sparen, ohne hart zu landen, sodass der Rest der Welt auf seinem Wachstumspfad bleiben kann. Wir stehen aber vor dem Risiko einer harten Landung, die zu einem Kollaps des Dollar führt. Dann kommen wir zwar zu einem globalen Gleichgewicht, aber die Anpassung wäre schmerzlich.
mm.de: An einer Abwertung des Dollars führt kein Weg vorbei?
Roubini: Im Lauf der Zeit muss der Dollar abwerten. Wenn der Kurs langsam und schrittweise fällt, ist das gut. Ein plötzlicher und heftiger Absturz wäre ganz anders zu bewerten. In den vergangenen Tagen sind Carry Trades im Yen, Leihgeschäfte mit günstigen Zinsen aus Japan, sehr schnell aufgelöst worden. Daraufhin ist der japanische Aktienmarkt eingebrochen, weil die Exporteure wie Toyota
und Honda
darunter leiden, wenn der Yen stark aufwertet. Hier geht es nicht mehr nur um Finanzgeschäfte. Das hat ernste realwirtschaftliche Auswirkungen.
mm.de: Viele Ihrer Kollegen schlagen einen beruhigenden Ton an. Sie dagegen werden als Kassandra der Märkte geschmäht.
Roubini: Ich bin Realist. Ich bin auch nicht immer nur negativ gestimmt. Im vergangenen Sommer begann ich mir Sorgen zu machen, dass der Immobilienmarkt zusammenbrechen würde, was zusammen mit einem hohen Ölpreis und einer Kreditklemme ernste wirtschaftliche und finanzielle Folgen hätte. Diese drei Faktoren haben sich in die Richtung entwickelt, die ich vorausgesagt hatte. Ob wir deshalb nun im vierten Quartal eine harte Landung erleben, ist reine Vermutung. Aber bis jetzt ist die Entwicklung ganz anders verlaufen, als der Konsens der Ökonomen vorausgesagt hatte. Also lag der Konsens noch mehr daneben als ich.
Der ehemalige Berater der Clinton-Regierung hat den Informationsdienst Roubini Global Economics gegründet und gehört zu den angesehensten Bloggern der Zunft.
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