Von Arvid Kaiser
mm.de: Professor Roubini, die aktuelle Finanzkrise geht vor allem auf platzende Hypothekenkredite im US-Subprime-Markt zurück, also von Hauskäufern mit geringer Kreditwürdigkeit. Banken beruhigen die Märkte mit dem Hinweis, dass sie kaum im Subprime-Markt engagiert sind. Ist es damit getan?
Nouriel Roubini ist Professor für Volkswirtschaft an der Stern School of Business der New York University. Der an der Hebräischen Universität Jerusalem, der Mailänder Bocconi-Universität und der Harvard-Universität ausgebildete Ökonom machte sich einen Namen mit einem Modell zur Erklärung der asiatischen Finanzkrise von 1997/98. Der ehemalige Berater der Clinton-Regierung hat den Informationsdienst Roubini Global Economics gegründet und gehört zu den angesehensten Bloggern der Zunft.
mm.de: Es ist also nicht nur ein Subprime-Problem.
Roubini: Nein. Die Ausfallraten für Alt-A-Hypotheken sind bereits gestiegen. Und einige Hypothekenbanken wie American Home Mortgage, die wenig mit dem Subprime-Markt zu tun haben,
mussten schon Insolvenz anmelden. Sogar eine Institution wie Marktführer Countrywide Financial
gerät unter Druck. In ihrer Gewinnwarnung haben sie auf Probleme im Prime-Segment verwiesen.
Inzwischen werden in diesem Dschungel von Hypothekenmarkt immer mehr Kredite beschlagnahmt, Hypotheken über mehr als 470.000 Dollar, also in der Regel von Prime-Kunden. Die USA erleben eine massive Hypothekenkrise. Das ist weit mehr als ein Subprime-Problem.
mm.de: Subprime-Kredite sind nur die ersten, die ausfallen?
Roubini: Ja, die Ausfallraten sind in diesem Segment viel stärker angestiegen als anderswo. Das ist aber nur der Teil der Krise, den wir bereits erlebt haben. Es ist ein Prozess. Vor einem Jahr wussten die meisten noch nichts mit dem Begriff Subprime anzufangen. Nun werden andere Teile des Markts in den Fokus rücken.
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