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15.08.2007
 

Offene Gesellschaft

Brot oder Spiele

Von Christian Rickens

3. Teil: "Lohndrücker im Waldorf-Gewand"

Staatliche Leistungen hat nach dieser Lesart nur derjenige verdient, der nicht arbeiten kann (Krankheit, Arbeitslosigkeit) oder zumindest gearbeitet hat (Rentner). Geld einfach so auszuschütten, erscheint vielen Sozialdemokraten als unmoralisch. Ohne Fleiß kein Preis, und mit dem Essen spielt man nicht.

  Muss unser Sozialsystem aus ethischen Erwägungen Erwerbsarbeit weiterhin einen herausgehobenen Stellenwert beimessen, auch wenn sich soziale Gerechtigkeit mit einem Grundeinkommen vielleicht viel effizienter erreichen ließe?
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DDP

Muss unser Sozialsystem aus ethischen Erwägungen Erwerbsarbeit weiterhin einen herausgehobenen Stellenwert beimessen, auch wenn sich soziale Gerechtigkeit mit einem Grundeinkommen vielleicht viel effizienter erreichen ließe?

Über diese Sichtweise kann man diskutieren: Muss unser Sozialsystem aus ethischen Erwägungen Erwerbsarbeit weiterhin einen herausgehobenen Stellenwert beimessen, auch wenn sich soziale Gerechtigkeit mit einem Grundeinkommen vielleicht viel effizienter erreichen ließe? Aber träfe allein diese These zu, dann müsste die SPD ja offensiv in die Diskussion über das Grundeinkommen einsteigen , und zwar auf der Seite der Gegner, anstatt sich der Debatte gänzlich zu verweigern.

Hier kommt die zweite Hypothese zum Tragen: Sozialdemokraten wollen nicht über das Grundeinkommen diskutieren, weil es die Machtbasis der SPD und der Gewerkschaften gefährdet. In einem Grundeinkommensmodell gäbe es keinen Platz mehr für die Bundesanstalt für Arbeit und für die Bundesrentenversicherung. In beiden Organisationen sitzen Politiker und Gewerkschaftsvertreter in unzähligen Aufsichts- und Selbstverwaltungsgremien. Auch der Flächentarifvertrag geriete unter Legitimationsdruck, und mit ihm die Macht der Gewerkschaften. Kein Wunder, dass einer meiner Gesprächspartner Götz Werner als "Lohndrücker im Waldorf-Gewand" bezeichnete. Das war nach dem zweiten Bier. Ich bin selbst nicht sicher, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen das richtige Rezept für die Reform des deutschen Sozialstaats darstellt.

Aber in einem Punkt bin ich mir ziemlich sicher: Unser derzeitiges Sozialversicherungssystem, das einseitig die Arbeitskosten belastet, hat sich längst überlebt. Wer sich dieser Einsicht verweigert, weil er seine angestammte Machtposition in der deutschen Sozialbürokratie nicht verlieren möchte, dem wird der Wähler mit Recht auch die Kernkompetenz der sozialen Gerechtigkeit aberkennen.

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FORUM

insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
05.09.2007 von Bernd_Klehn: Gründzüge

Bevor wir uns darüber hermachen ein bedingungsloses Grund Einkommen zu installieren, müssen wir in einem ersten Schritt die Strafabgabe (Sozialbeiträge) auf einfache Arbeit (wer hart Arbeitet muss dafür einen guten Lohn haben) [...] mehr...

03.09.2007 von aneider: Gut getroffen!

Lieber Herr Rickens,´ Sie haben die Sachlage sehr gut beobachtet und die beiden Herren von der SPD kalt erwischt. Warum denn nicht die Vorschläge von Werner wenigstens diskutieren und dann vielleicht neue oder bessere [...] mehr...

20.08.2007 von C.Rickens: Bitte Diskutieren

Lieber Günter Sölken, lieber Bernd Klehn, bitte, fühlen Sie sich eingeladen die Grundzüge eines Grundeinkommens in diesem Forum zu diskutuieren. Dazu ist es da, und Dr Wo hat diese Gelegenheit ja auch genutzt (allerdings mit [...] mehr...

18.08.2007 von Dr. Wo: Das bGE à la Götz Werner fördert den Meudalismus

Das bedingungslose, konsumsteuer-finanzierte Grundeinkommen, wie es u. a. Götz W. Werner mit viel finanzieller Macht voran treibt (s. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne2005.htm , Rang 65), ist eine heimtückische [...] mehr...

16.08.2007 von GünterSölken: Grundzüge erläutern

Lieber Herr Klehn, da würde ich jetzt gern Herrn Ricken einbeziehen wollen. Denn dies würde m.E. das Format eines Forums sprengen. Meine Bitte / Anregung wäre, das, worum Sie, Herr Klehn, gebeten haben, zum Inhalt eines [...] mehr...

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