20.08.2007
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Angriff aus Asien

Eindringling im amerikanischen Hinterhof

Von Wolfgang Hirn

4. Teil: Diplomatie statt Waffen

Die Statur dazu hat Brasilien. Es ist mit Abstand das größte, bevölkerungsreichste und auch wirtschaftlich erfolgreichste Land des Kontinents. Brasilien ist die natürliche Führungsmacht in Südamerika, was dort mehr oder weniger akzeptiert wird. Kein anderes Land der Region will und kann Brasilien diesen Status streitig machen.

"Eine Reihe von Ankerländern greift zunehmend selbstbewusst und aktiv in das internationale wirtschaftliche und politische Geschehen ein." Andreas Stamm, Wissenschaftler am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) "Brasiliens führende Rolle wird von den Nachbarn zwar überwiegend wohlwollend, aber auch mit einer Spur Argwohn verfolgt. Der Vorwurf, Brasilien betreibe einen Subimperialismus, ist in Argentinien, aber auch in den Andenländern hin und wieder zu hören", schreibt Susanne Gratius.

Brasilien stellt aber keine Bedrohung für seine Nachbarstaaten dar. Zwar ist Brasilien eine potenzielle Atom- sowie eine bedeutende Militärmacht mit einem Etat von knapp elf Milliarden Dollar und 314.000 Mann unter Waffen, aber es agiert nicht aggressiv-expansiv.

Wenn es Konflikte in Südamerika gibt, kommt Brasilien mit Diplomaten, nicht mit Waffen. So vermittelte das Land zum Beispiel bei innenpolitischen Konflikten in den Nachbarstaaten Bolivien und Venezuela.

Brasilien, die Heimat von Caipirinhas, Fußball und Samba, ist eine typische Soft Power. Es sucht deshalb eine friedliche Integration seiner vielen Nachbarstaaten. Das zentrale Projekt der Regierung Lula hierfür ist der Mercosur, eine Art Mini-EU.

Mitglieder sind die zwei kleinen Länder Paraguay und Uruguay, der Neuling und Ölstaat Venezuela sowie die beiden großen Nationen Argentinien und Brasilien. Das Verhältnis der beiden letztgenannten ist dabei von zentraler Bedeutung für die weitere Integration, durchaus vergleichbar mit der deutsch-französischen Achse in der EU.

Für Länder wie Brasilien hat Andreas Stamm, Wissenschaftler am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), den Begriff Ankerländer geprägt. Nach seiner Definition sind das Länder, "denen im jeweiligen regionalen Kontext eine herausragende ökonomische und politische Bedeutung zukommt". Sie haben eine "regionale Lokomotivfunktion", die andere Länder mitzieht.

Andere Ankerländer sind für Stamm unter anderem die hier beschriebenen Staaten China, Indien und Russland, aber auch Ägypten, Indonesien, Nigeria, Südafrika und Thailand. Das sind alles Länder, die sich immer häufiger auf der Weltbühne artikulieren werden. Stamm stellt fest: "Eine Reihe von Ankerländern greift zunehmend selbstbewusst und aktiv in das internationale wirtschaftliche und politische Geschehen ein."

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