Von Henrik Müller
mm.de: Europa als Ganzes hat eine weitgehend ausgeglichene Leistungsbilanz. Ganz anders Amerika, das Defizite zwischen 800 und 900 Milliarden Dollar jährlich anhäuft. Wer sich so hoch im Ausland verschuldet, hat Ihnen als international investierendem Überschussland natürlich mehr zu bieten.
Suweidi: Europäische Staatsanleihen sind knapp. Da bleibt nur das Fenster der Firmenanleihen offen. Und das ist nicht allzu viel.
mm.de: Hätten Sie denn gern, dass Europa sich höher im Ausland verschuldet, nach amerikanischem Vorbild?
Suweidi: Nicht unbedingt. Aber wir suchen nach Instrumenten, in die wir als Ausländer investieren können. In Europa gibt es für große Anleger bislang keine Skalenerträge: Sie können nicht große Summen in hochliquide Assets stecken. Um das zu ändern, muss der europäische Kapitalmarkt einheitlicher werden - ganz andere Größenordnungen, mehr große multinationale Konzerne, die daran interessiert sind, hochliquide Papiere zu emittieren.
mm.de: Ihr Optimismus für den Euro wird in Europa nicht unbedingt geteilt. Hier gibt es immer wieder Spekulationen, ob nicht einzelne Länder aus der Währungsunion wieder aussteigen könnten.
Suweidi: Nach meinem Eindruck sind die einfachen Leute ganz zufrieden mit dem Euro. Sehen Sie, als wir 1971 die Vereinigten Arabischen Emirate gründeten, haben viele Leute gesagt: Das hält keine fünf Jahre. Heute ist ein Auseinanderbrechen undenkbar.
Oder nehmen Sie das Beispiel der Schweiz, das ist eine Konföderation, die funktioniert. Aber vielleicht wäre es besser gewesen, die Europäer hätten nicht so eine umfassende Währungsunion angestrebt. Vielleicht haben sie die Dinge überstürzt.
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