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manager magazin



04.05.2007
 

Arbeitslosenzahlen

Aufschwung ohne Hartz-Empfänger

Von Matthias Kaufmann

Monat für Monat ist die Arbeitslosenzahl der Seismograf für Wirtschaftspolitik. Dabei verschleiert sie, wie viele Arbeitssuchende tatsächlich Hilfe bekommen. Während die Politik feiert, dass nur noch 3,9 Millionen als "arbeitslos" definiert werden, benötigen noch immer weit über sechs Millionen Menschen Arbeitslosengeld.

Hamburg - Ein "Jobwunder"! Nicht nur die Boulevard-Medien überschlagen sich angesichts der neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA): 3,9 Millionen Arbeitslose im April, Tendenz fallend. Die bleierne Zeit am Arbeitsmarkt scheint vorbei. Gerhard Schröder strampelte sich weiland ab und verfehlte das selbst gesetzte Ziel von 3,5 Millionen Arbeitslosen dennoch. Die Große Koalition scheint nur noch abwarten zu müssen, um die selbe Marke zu knacken.

  Gute Nachrichten aus den Arbeitsämtern:  Weniger Menschen sind als Arbeitslose registriert
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DPA

Gute Nachrichten aus den Arbeitsämtern: Weniger Menschen sind als Arbeitslose registriert

Schon malen sich Kommentatoren aus, wie es weitergeht: Nur noch drei Millionen Arbeitslose im Jahr 2009, das sei drin. Und wenn weniger "auf Hartz" sind, könnte bald der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung fallen.

Doch weit gefehlt. Während die Kennziffer von 3,9 Millionen Arbeitslosen die Runde macht, beziehen 6,291 Millionen Menschen Arbeitslosengeld; während die Kennziffer im Vergleich zum Vorjahr um über 820.000 fiel, ging die der Leistungsbezieher nur um rund 447.000 zurück. Wie kann das sein?

"Von denen, die Arbeitslosengeld I oder II beziehen, registriert die Bundesagentur nur 54 Prozent als arbeitslos", erklärt Paul M. Schröder, Arbeitsmarktexperte am Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe, gegenüber manager-magazin.de. Das heißt paradoxerweise nicht, dass die Arbeitsagenturen fast zur Hälfte Menschen finanzierten, die keine Arbeit suchen. Im Gegenteil, wer dort "Kunde" wird, der muss ein Interesse an bezahlter Arbeit mitbringen.

Wer dazulernt, arbeitet nicht

Keine Arbeit zu haben, reicht aber nicht, um für die Statistik "arbeitslos" zu sein. Und mit der Frage nach Unterstützung hat all das wenig zu tun. Die Politik hat ganz eigene Definitionen für die Arbeitslosenzahl gefunden - jene öden Ziffern aus Nürnberg, die Monat für Monat für erhitzte Debatten über die Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik sorgen.

Bekommt etwa eine alleinerziehende Mutter keinen Kindergartenplatz, muss sie sich selbst um ihr Kind kümmern und steht so nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Sie hat Anspruch auf Arbeitslosengeld, doch die monatliche Statistik ignoriert schlicht, dass die Frau arbeiten würde, wenn sie könnte. Ebenso geht es jenen, die ihr Fallmanager auf eine Fort- oder Weiterbildung schickt. Während ein früherer Stahlkocher etwa lernt, wie man eine Bewerbung schreibt, sucht er keine Arbeit - offiziell. Dabei würde er für manches Stellenangebot den Stift sofort fallen lassen.

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