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24.04.2007
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Investitionen

China und/oder Indien?

Von Ashish Singh

3. Teil: Indiens Regierung unter Zugzwang

Indiens Regierung unter Zugzwang

Während China einen Großteil seines Wachstums Güterexporten in den Westen verdankt, weist Indien einen einzigartigen Erfolg im Dienstleistungssektor auf. Die gesamte Serviceindustrie generiert mittlerweile 60,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts von 796 Milliarden Dollar. Besonders durch den Boom im Offshoring und Outsourcing findet das Land seit Mitte der 90er Jahre Anschluss an die Weltwirtschaft.

Als Wachstumsquelle Nummer eins gilt weiterhin die internationale Verlagerung von Geschäftsprozessen auf den Subkontinent, mit steigender Tendenz in der Forschung und Entwicklung. Chinas Dienstleistungssektor trägt dagegen circa 40 Prozent zum BIP von 2512 Milliarden Dollar bei.

Aber Chinas Führung ist ehrgeizig und setzt inzwischen nicht nur auf die Kräfte der Massenproduktion, sondern versucht durch neue Diversifizierungsstrategien bei der Qualität der Dienstleistungen an Klasse zu gewinnen. Die verschärfte Wettbewerbssituation bleibt nicht ohne Folgen: Die Konkurrenz zwischen den asiatischen Ländern nimmt allgemein zu und der bereits vorhandene Preisdruck verschärft sich. Mittlerweile sind sogar indische Unternehmer daran interessiert einfache Serviceleistungen wie zum Beispiel Call Center auf die Philippinen auszulagern.

Indiens Regierung gerät unter Zugzwang. Auch ihr liegt es daran die Grundlagen der nationalen Wirtschaft zu verbreitern. Ziel ist es, der Gefahr einer Abhängigkeit vom Offshoring/Outsourcing sowie Dienstleistungssektor vorzubeugen und die Massenproduktion im industriellen Bereich voranzutreiben. Damit der ökonomische Motor des Landes nicht ins Stocken gerät, wurden einstweilen Genehmigungsverfahren verkürzt sowie Zölle und Steuern gesenkt.

Westliche Investoren schätzen aber nicht nur die billige und zugleich qualifizierte Arbeit der Inder, sondern auch die kulturell niedrigen Markteintrittsbarrieren: Die englische Sprache und die Anwendung des angelsächsischen Rechtsystems sind vertraut und müssen, anders als in China, nicht neu eingeübt werden. Internationale Konzerne verlagern ihre Forschung und Entwicklung zunehmend nach Indien.

Hier wissen sie, dass ihre Patentrechte respektiert werden und im Falle der Missachtung rechtsstaatliche Maßnahmen greifen. In China ist das nicht der Fall: Obwohl das Reich der Mitte seit 2001 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) ist und sich vertraglich verpflichtete, den Schutz des geistigen Eigentums (TRIPS) zu achten, hapert es bei der Durchsetzung der internationalen Normen.

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