Von Helmut Reich
Genuss statt Bio
Bekämpft wird im Hause Bahlsen die Verschwendung – japanisch Muha. Ist etwas überflüssig oder läuft nicht richtig, dann wird es zügig Zeit für eine Trennung. Die Kekstochter Biscuiterie de la Baie du Mont Saint Michel fiel dieser neuen Ausrichtung zum Opfer. Man hätte zu viel Geld und Energie in das Unternehmen stecken müssen, die französische Großbäckerei wurde deshalb verkauft.
Auch das Thema Bio lässt Bahlsen kalt, obwohl sich die Wettbewerber derzeit mit Produktentwicklungen übertrumpfen. "Das sehen wir uns eher skeptisch an", so Bahlsen, der dann doch lieber schnell die Vorzüge seiner bewährten Kekse anpreist: "Unsere Produkte werden weiterhin nach Genuss gekauft".
Dieses Ignorieren von Markttrends wäre unter der Beobachtung von Analysten oder mit einem starken Partner sicher nicht möglich. Doch mit solch einfachen, aber radikalen Entscheidungen à la Bahlsen schaffte das Unternehmen zuletzt die Wende: Der Marktanteil des verschlankten Unternehmens kletterte immerhin von 17 auf 18 Prozent und soll sich weiter den alten Höchstständen annähern.
Dafür sind klare Schritte notwendig: "Wir werden in Zukunft weniger auf Sponsoring setzen, sondern mehr auf klassische Werbung", so Bahlsen. Knapp 30 Millionen Euro steckt Bahlsen bereits in diesem Jahr allein in Deutschland in die Werbung. "Wir erhöhen den Druck auf den Markt", gibt Bahlsen einen Einblick auf seine Werbeetats der Zukunft.
Aktuell steht das neue Produkt "Crispini" im Mittelpunkt der Marketinganstrengungen. "Das kann man prima vor dem Fernseher knabbern", so Bahlsen über den seit Februar erhältlichen, mit Schokolade überzogenen Knusperkeks.
Im Sommer folgt dann die nächste Innovation, diesmal der Marke Leibniz: Karamellisierte Erdnüsse auf Buttergebäck, die auch gut zu Bier oder Wein passen. Mit dem "Erdnuss Spaß" räumten die Hannoveraner auf der Internationalen Süßwarenmesse bereits einen wichtigen Branchenpreis ab, verkündet Werner Bahlsen nicht ohne Stolz. Unerwähnt lässt er allerdings, dass er damit erstmals auch im Bereich seines Bruders wildert – für Erdnüsse war in der Familie bisher Lorenz Bahlsen zuständig.
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