Von Henrik Müller
mm.de: Wo steht Deutschland in diesem Vergleich?
Schleicher: Ich würde es das Modell C nennen, Deutschland und Frankreich. Da sagt man: Bildung ist uns unglaublich wichtig, aber wir haben leider kein Geld. Und wir erlauben auch nicht, dass die private Seite sich maßgeblich an der Finanzierung beteiligt.
Es ist schon grotesk, wenn man sich die Studiengebührenregelungen in Deutschland anschaut: Die Beträge werden per Gesetz so niedrig gehalten, dass sie das Hochschulangebot nicht verbessern, aber doch so hoch, dass sie noch mehr junge Leute vom Studium abhalten. Die Rechnung von Modell C geht nicht auf.
mm.de: Woran sollten wir uns orientieren? Mehr oder weniger Staat in der Studienfinanzierung?
Schleicher: Man sollte ideologiefrei an diese Frage herangehen. Man kann sich am staatsfinanzierten Modell A oder am maßgeblich privat finanzierten Modell B orientieren. Beides funktioniert. Klar ist aber, dass Deutschland zu wenig in Bildung investiert, gerade auch in die Hochschulen. Das ist ein großes Versäumnis, denn wer an den Kindern spart, der wird in Zukunft verarmen.
mm.de: Muss die Wirtschaft mehr Geld in die Bildung stecken?
Schleicher: Die deutschen Unternehmen investieren ja schon viel in die betriebliche Ausbildung von Lehrlingen. Da ist Deutschland führend. Aber wie gesagt, dieses Ausbildungsmodell bedient einen immer kleineren Teil der Wirtschaft. Wichtig wäre, dass die Unternehmen sich direkt an den Spitzenqualifikationen beteiligen. Da kann man heute die größten Erträge einfahren.
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