Von Henrik Müller
mm.de: Wie steht es um die Hochschulen? Die sind ja in Deutschland chronisch klamm. Die USA oder die Schweiz geben mehr als doppelt so viel pro Student aus wie wir. Muss der Staat mehr ausgeben? Müssen die Bürger selbst mehr aufbringen? Müssen reiche Stifter sich stärker engagieren?
mm.de: ... eben ...
Schleicher: ... und da gibt es international zwei erfolgreiche Modelle. Modell A ist das skandinavische Modell, Schweden und Finnland. Da sagt die Gesellschaft: Bildung ist uns wichtig, wir werden alles tun, um weiter in der internationalen Topliga mitzuspielen. Also investiert der Staat, finanziert aus allgemeinen Steuern. Wir sehen: Die privaten Erträge sind hoch, der einzelne Bürger profitiert.
Wir sehen auch: Die Fiskalerträge sind positiv, das heißt, die Steuerzahler und die gesamte Gesellschaft bekommen mehr zurück, als sie ursprünglich bezahlt haben - Bildung ist eine gute Investition mit hoher privater und gesellschaftlicher Rendite.
mm.de: Und das zweite Modell?
Schleicher: Modell B ist das amerikanisch-asiatische, also USA, Japan, Korea, auch Australien. Diese Gesellschaften sagen: Bildung ist uns wichtig, wir sichern den Zugang durch gute Schulsysteme, aber das Studium ist eure private Investition.
Dort mobilisiert man Ressourcen vorwiegend aus dem privaten Sektor: Studiengebühren, staatlich abgesicherte Kreditsysteme, private Stipendienprogramme und dergleichen. Auch diese Rechnung geht auch auf: Die privaten Erträge sind hoch, die sozialen Erträge sind hoch, und fiskale Erträge bleiben positiv, zumal der Steuerzahler wenig investiert hat.
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