Von Henrik Müller
mm.de: Die Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie und der darauf folgende Pisa-Schock liegen jetzt mehr als fünf Jahre zurück. Seither sind die schwachen Leistungen des Schulsystems bekannt. Viel passiert ist seither nicht, oder?
Der Mangel an Hochqualifizierten wird immer mehr zur Investitionsbremse. Staat und Unternehmen müssen dringend umsteuern. Lesen Sie mehr im manager magazin 03/2007 ab Seite 94.
InhaltAuch die Notwendigkeit, klare Bildungsziele zu schaffen - Bildungsziele, die Schülern helfen, besser zu lernen, Lehrern helfen, besser zu unterrichten, und Schulen helfen, effizienter zu arbeiten, das heißt, die Notwendigkeit, verbindliche Maßstäbe für den Erfolg von Bildung zu schaffen - auch das ist heute weitgehend Konsens. Nicht zu vergessen die Förderung von Ganztagsschulen - in den meisten erfolgreichen OECD-Staaten schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Bildungssystems -, wo jetzt Fortschritte erzielt werden.
mm.de: Darüber wird geredet - aber wirkliche Veränderungen hat es nur in homöopathischen Dosen gegeben.
Schleicher: Ganz so negativ würde ich es nicht ausdrücken. Aber die gegenwärtigen Reformen sind im Wesentlichen Optimierungsanstrengungen. Über strategische und systemische Reformen wird kaum diskutiert. Wir versuchen die Schüler des 21. Jahrhunderts durch Lehrer zu unterrichten, die im 20. Jahrhundert ausgebildet wurden und die in einem Schulsystem arbeiten, dass im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammt und nicht mehr zeitgemäß ist. Das passt nicht mehr in den modernen Arbeitsmarkt.
mm.de: Inwiefern?
Schleicher: Es gibt Parallelen zwischen der Entwicklung der Arbeits- und der Schulwelt. Die fortlaufende Automatisierung von Routinearbeit hat dazu geführt, dass Arbeit, die man vorwiegend in Form von geleisteten Arbeitsstunden misst, abnimmt, während Arbeit, die durch Inhalte, Zielvorgaben und Abgabetermine definiert wird, an Bedeutung gewinnt. Die deutschen Schulen aber arbeiten immer noch mit den Denkschemata der Vergangenheit: Wir messen die Arbeit in der Schule in Form von Unterrichtsstunden, Altersjahrgängen, Stundentafeln, Klassengrößen und Abschlüssen. Das reicht heute nicht mehr aus.
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