Freitag, 10. Februar 2012, 04:53 Uhr

manager magazin



27.02.2007
 

Akademikermangel

"Wir verschlafen den Bildungsboom"

Von Henrik Müller

4. Teil: "Gute Chancen für Gebildete"

mm.de: Welchen ökonomischen Mechanismus sehen Sie hier am Werk? Fragen Akademiker eher höherwertige Leistungen anderer Akademiker nach? Sind wir auf dem Weg zu einer generellen Anreicherung der Wertschöpfung mit Humankapital?

Schleicher: Nehmen Sie den Unterschied zwischen wissensbasierten und materiellen Gütern: Wenn Sie ein Wissensarbeiter sind, der ein wissensbasiertes Produkt schafft, etwa ein Buch oder eine Dienstleistung als Berater, dann können Sie Ihr Produkt an umso mehr Menschen verkaufen, je größer der Markt ist ...

mm.de: ... die berühmten Skalenvorteile.

Schleicher: Wenn Sie dagegen Ihre manuelle Arbeitskraft verkaufen oder ein materielles Produkt, dann wird dessen Wert nicht unbedingt steigen, wenn der Markt wächst - schließlich können Sie jedes Produkt sowie Ihre manuelle Arbeitskraft nur einmal verkaufen. Deswegen werden die Chancen für diejenigen, die gut gebildet sind, weiter steigen, während die Risiken für Menschen mit unzureichender Ausbildung ebenfalls zunehmen werden.

Mehr zum Thema in:
manager magazin 03/2007

Der Geist ist schwach

Der Mangel an Hochqualifizierten wird immer mehr zur Investitionsbremse. Staat und Unternehmen müssen dringend umsteuern. Lesen Sie mehr im manager magazin 03/2007 ab Seite 94.

Inhalt
mm.de: Die OECD vergleicht Länder mit sehr unterschiedlichen Systemen. In Deutschland fußt die Bildung traditionell auf Lehre, Berufsschule, Meisterschule - all das sind Faktoren, die die Akademikerquote drücken. Sind diese Ausbildungswege kein Äquivalent zur Hochschulbildung?

Schleicher: Die berufliche Ausbildung ist eine große Stärke des deutschen Bildungssystems. Aber sie ist ein Modell für einen schrumpfenden Teil der Wirtschaft, nämlich für das Handwerk und für die klassische Industrieproduktion. Wer eine Lehre gemacht hat, ist nicht unbedingt schlechter ausgebildet als ein Hochschulabsolvent, er findet oft auch relativ schnell einen Arbeitsplatz.

Jedoch steht dem Erfolg des dualen Systems zu Beginn des Arbeitslebens ein stetig wachsendes Arbeitslosigkeitsrisiko in späteren Lebensjahren gegenüber. Man kann das an den Statistiken ablesen: Beim Eintritt in den Beruf stehen die Absolventen einer Lehre den Jungakademikern praktisch in nichts nach. Aber ab einem Alter von 40 steigen die Arbeitslosenquoten an, während Akademiker bis ins höhere Alter vermittelbar bleiben. Es gelingt den Absolventen dieses Bildungsweges oft weniger, sich später den rasch wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen.

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