Von Henrik Müller
mm.de: Welchen ökonomischen Mechanismus sehen Sie hier am Werk? Fragen Akademiker eher höherwertige Leistungen anderer Akademiker nach? Sind wir auf dem Weg zu einer generellen Anreicherung der Wertschöpfung mit Humankapital?
mm.de: ... die berühmten Skalenvorteile.
Schleicher: Wenn Sie dagegen Ihre manuelle Arbeitskraft verkaufen oder ein materielles Produkt, dann wird dessen Wert nicht unbedingt steigen, wenn der Markt wächst - schließlich können Sie jedes Produkt sowie Ihre manuelle Arbeitskraft nur einmal verkaufen. Deswegen werden die Chancen für diejenigen, die gut gebildet sind, weiter steigen, während die Risiken für Menschen mit unzureichender Ausbildung ebenfalls zunehmen werden.
Der Mangel an Hochqualifizierten wird immer mehr zur Investitionsbremse. Staat und Unternehmen müssen dringend umsteuern. Lesen Sie mehr im manager magazin 03/2007 ab Seite 94.
InhaltSchleicher: Die berufliche Ausbildung ist eine große Stärke des deutschen Bildungssystems. Aber sie ist ein Modell für einen schrumpfenden Teil der Wirtschaft, nämlich für das Handwerk und für die klassische Industrieproduktion. Wer eine Lehre gemacht hat, ist nicht unbedingt schlechter ausgebildet als ein Hochschulabsolvent, er findet oft auch relativ schnell einen Arbeitsplatz.
Jedoch steht dem Erfolg des dualen Systems zu Beginn des Arbeitslebens ein stetig wachsendes Arbeitslosigkeitsrisiko in späteren Lebensjahren gegenüber. Man kann das an den Statistiken ablesen: Beim Eintritt in den Beruf stehen die Absolventen einer Lehre den Jungakademikern praktisch in nichts nach. Aber ab einem Alter von 40 steigen die Arbeitslosenquoten an, während Akademiker bis ins höhere Alter vermittelbar bleiben. Es gelingt den Absolventen dieses Bildungsweges oft weniger, sich später den rasch wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen.
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