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manager magazin



27.02.2007
 

Akademikermangel

"Wir verschlafen den Bildungsboom"

Von Henrik Müller

2. Teil: "Mehr Geld allein reicht nicht"

mm.de: Müssten wir mehr in die Köpfe investieren? Ist es damit getan, mehr Geld für Bildung auszugeben?

Mehr zum Thema in:
manager magazin 03/2007

Der Geist ist schwach

Der Mangel an Hochqualifizierten wird immer mehr zur Investitionsbremse. Staat und Unternehmen müssen dringend umsteuern. Lesen Sie mehr im manager magazin 03/2007 ab Seite 94.

Inhalt
Schleicher: Mehr Geld allein reicht natürlich nicht, aber klar ist auch: Im Moment gibt Deutschland zu wenig aus. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bleiben Investitionen in deutsche Bildungsinstitutionen hinter dem OECD-Durchschnitt zurück.

Sehen Sie: Pro Schüler wird im Primar- und Sekundarbereich I relativ wenig ausgegeben. Von diesen knappen Mitteln werden aber überdurchschnittliche Lehrergehälter bezahlt, so dass relativ wenig Lehrer beschäftigt werden, die Unterrichtszeiten gerade in den ersten Schuljahren wesentlicher kürzer sind als anderswo und die Sachaufwendungen kompensiert werden.

All das schafft ungünstige Lernvoraussetzungen. Diese Knappheit an Geldern setzt sich später fort: An den Hochschulen wird pro Studierendem nur halb so viel ausgegeben wie in den USA. Auffallend ist auch, dass die Bildungsausgaben in Deutschland in wesentlich geringerem Maße gestiegen sind als in den meisten OECD-Staaten. So steht bei den Hochschulen in Deutschland ein Anstieg der Bildungsausgaben von 14 Prozent einem mittleren Anstieg von 46 Prozent in den OECD-Staaten gegenüber.

mm.de: Wir verschlafen den Bildungsboom?

Mehr Geld allein reicht natürlich nicht, aber klar ist auch: Im Moment gibt Deutschland zu wenig aus.
Schleicher: Ja, das gilt sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Quantitativ haben wir in vielen OECD-Staaten einen dynamischen Ausbau der Bildungssysteme, insbesondere im akademischen Sektor beobachtet: Im OECD-Mittel beginnt jetzt mehr als die Hälfte eines Jahrgangs eine akademische Ausbildung, und in Australien, Schweden oder Finnland sind es sogar mehr als 70 Prozent.

In vielen Staaten kann man von einem Paradigmenwechsel sprechen, von der traditionellen Ausbildung, die darauf abzielt, den gegenwärtigen Qualifikationsbedarf des Arbeitsmarkts abzudecken, hin zur Investition in die weiterführende Bildung junger Menschen, um diese zu befähigen, den wirtschaftlichen und sozialen Wandel der Gesellschaft aktiv zu gestalten.

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