"So etwas gab es in Deutschland noch nie"
Nach dem schlimmsten Sturm der vergangenen acht Jahre ist Deutschland am Freitagmorgen zur Normalität zurückgekehrt. Die Behörden hoben Unwetterwarnungen weitgehend auf. Die Deutsche Bahn lässt ihre Züge wieder rollen und in den Großstädten nehmen auch S- und U-Bahnen weitgehend wieder ihren Betrieb auf.
Als Einzelunternehmen war die Bahn am schlimmsten getroffen. Der Bahnverkehr musste am Abend ganz eingestellt werden, weil zu viele Bäume Oberleitungen abgerissen und Gleise beschädigt hatten. Am Freitagmorgen verließen erste Züge wieder die Bahnhöfe nach der nächtlichen Zwangspause. Es werden aber weiter große Probleme im Bahnbetrieb erwartet. "So eine Situation haben wir in Deutschland noch nie gehabt", erklärte Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin. Der neue Berliner Hauptbahnhof wurde in der Nacht geräumt und abgesperrt, nachdem sich ein Träger im Südwestflügel gelöst und zwei weitere Träger beschädigt hatte.
Dagegen lief der Flugverkehr am Freitag wieder weitgehend rund, wie ein Sprecher des Flughafens Frankfurt mitteilte. Auch größere Staus waren am Morgen zunächst nicht bekannt.
Tote durch umgestürzte Bäume
Im nordrhein-westfälischen Lippstadt kam eine 23 Jahre alte Autofahrerin ums Leben, die durch einen umstürzenden Baum in ihrem Wagen eingeklemmt worden war. Bei einem sturmbedingten Einsatz verunglückte im Kreis Viersen ein 39-jähriger Feuerwehrmann tödlich. Ein zweiter 50 Jahre alter Feuerwehrmann starb bei einem Einsatz in Düren. In Essen geriet ein 34-jähriger Motorradfahrer unter einen umgestürzten Baum und verletzte sich tödlich.
Im niedersächsischen Hildesheim wurde ein Pkw von einem umstürzenden Baum getroffen. Dabei starb ein Mann. In Großrodensleben (Sachsen-Anhalt) starb ein Mann unter den Trümmern eines eingestürzten Hausgiebels. In Strausberg bei Berlin wurde ein 25-jähriger Autofahrer getötet, als ein entwurzelter Baum auf seinen Pkw stürzte.
Ein Mann starb bei einem Verkehrsunfall in Heidelberg (Baden-Württemberg), als er einem umstürzenden Baum ausweichen wollte und dabei frontal auf ein entgegenkommendes Fahrzeug prallte. In Bayern wurde ein 18 Monate altes Kind von einer aus der Halterung gerissenen Terrassentür erschlagen. Ein 73-jähriger Bayer erlag seinen Verletzungen, nachdem ihn ein aus den Angeln gehobenes Scheunentor erfasst hatte.
Der Norden Deutschlands blieb von der befürchteten schweren Sturmflut verschont, weil der Sturm schneller als erwartet abzog. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie gab bereits kurz nach Mitternacht weitgehende Entwarnung.
Hochwasser statt Sturmflut
Für Hamburg wurden in den frühen Morgenstunden statt der ursprünglich prognostizierten schweren Sturmflut von bis zu 3 Metern über dem mittleren Hochwasser nur noch 1,50 Meter erreicht. In Büsum an der schleswig-holsteinischen Westküste, wo die Sturmflut am schwersten auftreffen sollte, erreichte das Hochwasser sogar nur 1,17 Meter. Auch auf der Insel Sylt trat der befürchtete Landverlust durch ein Abspülen von Sturmflutwellen nicht ein.
Nach Meinung des Deutschen Wetterdienstes war "Kyrill" der stärkste Orkan seit "Lothar", der Weihnachten 1999 über Deutschland hinwegraste. Dieses mal wurden die stärksten Böen auf dem Wendelstein in Bayern gemessen, sie erreichten eine Stärke von 202 Kilometern in der Stunde. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von 198 Stundenkilometern gemessen, auf der Zugspitze 176 Stundenkilometer sowie je 172 Stundenkilometer auf der Wasserkuppe und dem Fichtelberg.
Am Freitagmorgen nahm der Deutsche Wetterdienst die Warnstufen zurück oder hob sie ganz auf.
manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und vwd
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