Von unserem Mitarbeiter in Belgrad
Belgrad - Dass Geschäfte auf dem Balkan einem Vabanquespiel gleichen können, ist spätestens seit James Bonds Auftritt in "Casino Royale" bekannt. Dort pokert der Agent seiner Majestät in einem Casino in der Balkanrepublik Montenegro mit den Herren der Unterwelt um gewaschene Millionensummen. Auch wenn das Montenegro im Agententhriller von Landschaften und Gebäuden in der Schweiz und Tschechien gedoubelt wurde, so verfälscht dies doch nicht die Botschaft: Auf dem Balkan wird nicht nur mit Samthandschuhen gearbeitet.
Das wichtigste ist also, sein Gegenüber zu kennen, um vorab zu wissen, wer falsch spielt. Damit sich Investoren beim Balkanpoker nicht allzu sehr ins Blatt gucken lassen, porträtiert manager-magazin.de die wichtigsten Spieler und Falschspieler der Region.
Mit einem vom serbischen Wirtschaftsmagazin "Ekonomist" auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzten Gesamtvermögen und einem fast unbegrenzten politischen Einfluss ist der Serbe Miroslav Miskovic unbestritten das Pik-Ass unter den Balkan-Baronen. Seinen kometenhaften Auftstieg verdankt er vor allem seiner Nähe zum früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic.
Im Jahr 1989 war Miskovic für ein halbes Jahr stellvertretender Ministerpräsident in Milosevics Regierung. Von Milosevic bekam er nach Meinung von Beobachtern Handelsmonopole für westliche Markenprodukte zugespielt und exportierte trotz des westlichen Embargos angeblich in großen Mengen Autoreifen, die er zuvor einer serbischen Firma zu Spottpreisen abgekauft hatte. Er nutzte auch die Hyperinflation, um günstig Kredite von Staatsbanken in sein neues Firmenimperium Delta Holding zu pumpen. Mit dem Placet Milosevics nutzte seine neu gegründete Delta Bank frisch gedruckte Dinar-Scheine nach Meinung von Beobachtern zu illegalen Währungsgeschäften.
An Miskovics Imperium führt kein Weg vorbei
Wegen seiner Nähe zum Regime verbat ihm die Europäische Union ab 1998 die Einreise. Doch schon im Jahr 2000 erreichten Miskovics Anwälte die Streichung seines Namens von der schwarzen Liste der EU. Von Milosevic distanzierte er sich, noch bevor dessen Machtverfall eindeutig klar war. Nach eigenen Angaben wurde er zu einem der wichtigsten Finanzierer der demokratischen Opposition.
Heute führt kein Weg an seinem Firmenimperium mehr vorbei. Es gibt kaum einen Wirtschaftssektor in Serbien, in dem die Delta Holding nicht aktiv wäre. Die Tentakel von Delta erstrecken sich in den Einzelhandel, den Finanzsektor, die Nahrungsmittelproduktion, Chemie, Autohandel und andere Bereiche. Und das nicht nur in Serbien, sondern auch in Russland und der Ukraine.
Im Einzelhandel hat Delta sogar fast eine Monopolstellung, was die Preise in die Nähe der deutschen Einzelhandelspreise bringt; und das bei einem durchschnittlichen serbischen Monatslohn von rund 300 Euro.
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