Von Simon Hage
mm.de: Herr Götz, Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Energiestreit mit Weißrussland zeitweise erwogen, die Erdölfördermenge zu drosseln. Wie zuverlässig ist Russland als Energielieferant und Wirtschaftspartner?
Roland Götz ist Russland-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Denkfabrik in Berlin berät Parlament und Regierung in Belangen der Außen- und Sicherheitspolitik. Zu Götz' Schwerpunkten gehören die Lage und Entwicklungsaussichten der russischen Wirtschaft, die dortige Energiewirtschaft sowie der Energiedialog mit der EU.
Russland ist - verglichen mit den Alternativen, die Deutschland hat - einer der zuverlässigsten Partner. Außerhalb Europas haben wir nur Partnerstaaten, die zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen sind - ob nun Algerien, Libyen oder der Iran. Im Gegensatz dazu ist Russland politisch ziemlich stabil. Wir haben auch eine strategische Partnerschaft mit dem Land, das westliche Werte prinzipiell anerkennt - auch wenn es hier viel Diskussionsstoff gibt.
mm.de: Welche Bedeutung hat Russland als Energielieferant für uns?
Götz: Was die Lieferung von Öl und Gas anbelangt, ist Russland zumindest für Europa die nächsten 20 bis 30 Jahre unverzichtbar - solange werden wir mindestens noch auf diese fossilen Rohstoffe angewiesen bleiben. Deutschlands Gasimporte aus Russland werden in nächster Zeit sogar noch spürbar zunehmen. Sprich: Russland ist für uns nicht wegzudenken, es gibt keine echte Alternative.
mm.de: Wir sind also abhängig von Russland - und damit politisch erpressbar.
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