Donnerstag, 9. Februar 2012, 11:36 Uhr

manager magazin



11.01.2007
 

Energiestreit

"Keine Alternative zu Russland"

Von Simon Hage

Die Wirtschaftsmacht Russland muss nur laut über eine Drosselung der Ölförderung nachdenken, um ganz Europa zu erschrecken. Im Interview mit manager-magazin.de spricht Russland-Experte Roland Götz über die Abhängigkeit vom Energiegiganten, die Pläne russischer Investoren - und die Zeit nach Putin.

mm.de: Herr Götz, Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Energiestreit mit Weißrussland zeitweise erwogen, die Erdölfördermenge zu drosseln. Wie zuverlässig ist Russland als Energielieferant und Wirtschaftspartner?

  Roland Götz  ist Russland-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Denkfabrik in Berlin berät Parlament und Regierung in Belangen der Außen- und Sicherheitspolitik. Zu Götz' Schwerpunkten gehören die Lage und Entwicklungsaussichten der russischen Wirtschaft, die dortige Energiewirtschaft sowie der Energiedialog mit der EU.
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Roland Götz ist Russland-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Denkfabrik in Berlin berät Parlament und Regierung in Belangen der Außen- und Sicherheitspolitik. Zu Götz' Schwerpunkten gehören die Lage und Entwicklungsaussichten der russischen Wirtschaft, die dortige Energiewirtschaft sowie der Energiedialog mit der EU.

Götz: Der aktuelle Energiestreit hatte sehr spezielle und interne Gründe in der Beziehung zwischen Weißrussland und Russland. Es geht letztlich um die Auferlegung eines Exportzolls für Öl, den Weißrussland bisher nicht bezahlen musste. In diesem Konflikt steht Russland eigentlich auf der legalen Seite, während Weißrusslands Präsident seine Machtposition erhalten will. Das hat sehr wenig zu tun mit den Beziehungen Russlands zu Europa.

Russland ist - verglichen mit den Alternativen, die Deutschland hat - einer der zuverlässigsten Partner. Außerhalb Europas haben wir nur Partnerstaaten, die zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen sind - ob nun Algerien, Libyen oder der Iran. Im Gegensatz dazu ist Russland politisch ziemlich stabil. Wir haben auch eine strategische Partnerschaft mit dem Land, das westliche Werte prinzipiell anerkennt - auch wenn es hier viel Diskussionsstoff gibt.

mm.de: Welche Bedeutung hat Russland als Energielieferant für uns?

Götz: Was die Lieferung von Öl und Gas anbelangt, ist Russland zumindest für Europa die nächsten 20 bis 30 Jahre unverzichtbar - solange werden wir mindestens noch auf diese fossilen Rohstoffe angewiesen bleiben. Deutschlands Gasimporte aus Russland werden in nächster Zeit sogar noch spürbar zunehmen. Sprich: Russland ist für uns nicht wegzudenken, es gibt keine echte Alternative.

mm.de: Wir sind also abhängig von Russland - und damit politisch erpressbar.

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