Tampa, USA - Ein Indianerstamm aus Florida übernimmt die weltweit bekannte Hard-Rock-Café-Kette. Der Seminolen-Stamm zahlt 965 Millionen Dollar oder umgerechnet rund 727 Millionen Euro für die mehr als 120 Cafés in 40 Ländern sowie vier Hotels, zwei Casinos und zwei Konzerthallen, die ebenfalls das Label "Hard Rock Café" tragen. Es ist vermutlich die erste internationale Unternehmensgruppe, die von einem Indianerstamm übernommen wird.
Verkäufer ist die britische Firma Rank, die sich künftig auf ihre Casinos und Spielhallen in Großbritannien, Spanien und Belgien konzentrieren will. Das allererste Hard Rock Café, das 1971 in London öffnete, will Rank allerdings behalten. Die Transaktion soll im März abgeschlossen sein. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Hard Rock Cafés einen Umsatz von 480 Millionen Dollar.
Viele Indianerstämme in den USA verdienen mittlerweile ihr Geld mit Spielcasinos in ihren Reservaten. Die Seminolen nahmen dabei eine Art Vorreiter-Rolle ein: Sie öffneten bereits 1979 auf ihrem Gebiet eine Bingo-Halle. Heute besitzt der einst für seinen kriegerischen Widerstand gegen die US-Invasoren bekannte Stamm Hotels, Casinos und Ferienanlagen in Florida. Möglich ist das Geschäft mit der Spielleidenschaft aufgrund des Sonderstatusses, den die Reservatsbewohner in Amerika haben. Sie sind in Teilen auch für die Gesetzgebung auf ihrem Gebiet zuständig und können deshalb beispielsweise auch Casino-Lizenzen vergeben, was in vielen US-Bundesstaaten verboten ist.
Der Stamm der Seminolen plant den Kaufpreis für die Hard-Rock-Café-Kette aus einem Kredit eines neuen aktiven Hard-Rock-Unternehmens und aus Eigenkapital der Spielhallen und Casinos des Stammes zu finanzieren. Die Seminolen aus Florida besitzen und führen derzeit, unter Lizenz von Hard Rock International, zwei Hard-Rock-Hotels und Casinos in Tampa und in Hollywood, Florida.
Darüber hinaus sind die Seminolen vor allem in der Rinderzucht tätig, dem Anbau von Zitrusfrüchten, dem Tourismus, Sport-Management und Tabakvertrieb.
Die etwa 3300 Seminole-Indianer leben heute in und außerhalb der Reservate in Florida. Sie zahlen Steuern, dienen in den US-Streitkräften und wählen. Sie stammen ab von einigen Hundert Seminolen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in die Everglades-Sümpfe flohen, als die US-Regierung versuchte, alle Seminolen aus Florida sowie weitere Indianer nach Oklahoma umzusiedeln.
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