Von Martin Hintze
Dresden - So viel Einstimmigkeit hat Seltenheitswert. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident sind dafür, CDU, CSU und die FDP ebenfalls und grundsätzlich auch die SPD. Die Rede ist vom sogenannten Investivlohn. Mit dem Zusatzelement auf dem Gehaltszettel sollen die Arbeitnehmer verstärkt an Gewinn und Kapital eines Unternehmens beteiligt werden. Klappt so die Anpassung der sozialen Marktwirtschaft an die Globalisierung?
Die Arbeitnehmer müssten einen fairen Anteil am Volkseinkommen erhalten, heißt es in dem achtseitigen Antrag "Soziale Kapitalpartnerschaft", den die CDU auf ihrem Bundesparteitag in Dresden Anfang der Woche beinahe einstimmig annahm. In Zeiten anhaltender Reallohnsenkungen und steigender Kapitalgewinne liegt ein Instrument wie der Investivlohn auf der Hand.
Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit beteiligen insgesamt 9 Prozent der hiesigen Betriebe zumindest Teile ihrer Belegschaft am Gewinn. Damit liegt Deutschland klar hinter Ländern wie Frankreich mit 57 Prozent und Großbritannien mit 40 Prozent Mitarbeiterbeteiligung zurück.
Laut Antrag, der vom Arbeitnehmerflügel der CDU unter Leitung von NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann erstellt wurde, sind die Vorteile einer Mitarbeiterbeteiligung vielfältig: Unternehmen, die Beschäftigte an Gewinn oder Kapital beteiligen, seien produktiver und damit wettbewerbsfähiger. Zudem würde die Eigenkapitalbasis der Unternehmen gestärkt und die Eigentumsbildung der Arbeiter gefördert - mehr Kapital, das nicht zuletzt für eine zusätzliche Altersvorsorge genutzt werden könnte.
Doch was ist eine "Kapitalpartnerschaft"? Verschiedene Formen der Mitarbeiterbeteiligung sind schon länger bekannt und etabliert. Bei Bertelsmann beispielsweise gibt es Gewinnbeteiligung bereits seit 1970. "Die Gewinne mit denen zu teilen, die sie mit erwirtschaftet haben, entspricht unserer partnerschaftlichen Unternehmenskultur, die von Nachkriegsgründer Reinhard Mohn entwickelt worden ist", sagte Bertelsmann-Chef Gunter Thielen gegenüber manager-magazin.de.
Bertelsmann praktiziert ein System der erfolgsorientierten Vergütung. Voraussetzung für eine Auszahlung ist, dass eine bestimmte Umsatzrendite überschritten wird. Die 30.000 Mitarbeiter, die der Gütersloher Medienkonzern in Deutschland beschäftigt, können wählen, ob sie den Betrag zur privaten Altersversorgung brutto in die Bertelsmann-Pensionskasse einzahlen möchten oder ob die Gewinnbeteiligung automatisch auf ihr Gehaltskonto überwiesen wird. Seit Einführung sind nach Unternehmensangaben so einschließlich Zinsausschüttungen rund zwei Milliarden Euro an die Mitarbeiter geflossen.
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